Am 30. Jahrestag des Mauerfalls ist Westart zu Gast im Kunstpalast in Düsseldorf. Dort erinnert eine große Ausstellung an die Kunst der DDR. Mit dem Schriftsteller Michael Nast wundern wir uns über Skurriles und Widersprüchliches in Ost und West. Im Robert-Schumann-Saal treffen wir den Violinisten und leidenschaftlichen Grenzgänger Miki Kekenj. Außerdem blicken wir mit dem Fotografen Michael Kerstgens zurück in eine thüringische Stadt zur Zeit der Wende, sprechen mit Salman Rushdie über sein Wendejahr 1989. Und wir stellen den Dokumentarfilm "Die Götter von Molenbeek" vor, eine Annäherung an den Brüsseler Stadtteil aus der Perspektive dreier Kinder. Mit den Augen der Kinder: "Die Götter von Molenbeek": Seit den Pariser Anschlägen vom November 2015 gilt der Brüsseler Stadtteil Molenbeek als Zentrum der Dschihadisten. Hier hat die finnische Filmemacherin die drei Kinder Aatos, Amine und Flo beobachtet – wie sie spielend ihre Umgebung erforschen, im Kleinen das Große entdecken und sich für die Götter der anderen interessieren. Die drei wohnen im selben Haus, kommen aber aus sehr verschiedenen Welten. "Ich wollte aus der Perspektive der Kinder zeigen, wie sie mit den Glaubensfragen der Erwachsenen umgehen und wie sie ihre ganz eigene Sicht auf die Welt erschaffen", sagt die Regisseurin Reetta Huhtanen. "Die Götter von Molenbeek" kommt am 21. November in die Kinos. Zwischen Utopie und Untergang: Kunst der DDR in Düsseldorf: Regimenah oder rebellisch, angepasst oder experimentell: Die Kunst der DDR war so vielfältig wie die Menschen, die sie gemacht haben. 30 Jahre nach dem Mauerfall widmet der Düsseldorfer Kunstpalast der Ostkunst eine große Schau. 13 Künstlerinnen und Künstler sind mit mehr als 130 Werken vertreten – vom Regime Geächtete wie Cornelia Schleime und A. R. Penck neben offiziellen Staatskünstlern wie Bernhard Heisig oder Willi Sitte. Westart blickt mit Cornelia Schleime zurück, deren Kunst in der DDR als "Müll" verpönt war, und fragt nach ihrem Neuanfang im Westen. "Zwischen Utopie und Untergang" ist die erste große Überblicksausstellung der DDR-Kunst in Westdeutschland seit 1989 - zu sehen bis zum 5. Januar 2020. Deutsch-deutsche Befindlichkeiten: der Schriftsteller Michael Nast: Er war 14 Jahre alt, als die Mauer fiel. "Seither teile ich mein Leben in ein Davor und ein Danach", sagt der Ostberliner Autor und Kolumnist. Die Umstellung fiel ihm nicht leicht, und wenn er auf die vergangenen 30 Jahre zurückblickt, stellt er fest, dass beim Zusammenwachsen von Ost und West einiges schiefgelaufen ist. "Die Ostdeutschen mussten sich anpassen und ihre Werte aufgeben. Die Westdeutschen waren die Wendegewinner." Jetzt hat er in seinem neuen Buch alten und neuen Missverständnissen nachgespürt. In sehr persönlichen Anekdoten schildert er die Skurrilitäten und Widersprüche des Alltags, und er appelliert an uns alle, in Zeiten von Selfie-Wahn und Egotrips gemeinsam nach den Werten zu suchen, auf die es wirklich ankommt. Westart hat Michael Nast im Kunstpalast getroffen. Reise durch Zeit und Raum: Salman Rushdie zu Gast in Köln: Der große Salman Rushdie kehrt zurück und ist am 16. November im Rahmen der Lit.Cologne spezial zu Gast im WDR Funkhaus. Sein neuer Roman "Quichotte" ist ein fulminantes Update von Miguel Cervantes' Meisterwerk. Mit überschäumender Lust am Fabulieren hat er die Geschichte des Ritters von der traurigen Gestalt aus dem Spanien des 17. Jahrhunderts in die US-amerikanische Gegenwart geholt. Auch für den britisch-indischen Schriftsteller und Autor der "Satanischen Verse" war 1989 ein Wendejahr. Damals verhängte der iranische Revolutionsführer Ayatollah Khomeini eine Fatwa über ihn und setzte ein Kopfgeld für seine Ermordung aus. Rushdie musste untertauchen. Nach mehr als einem Jahrzehnt im Untergrund kann er sich heute ohne Leibwächter bewegen und lebt in New York. Musikalische Einheit: Crossover mit dem Violinisten Miki Kekenj: "Hip Hop interessiert mich seit je", sagt Miki Kekenj. Der Violinist ist ein Grenzgänger zwischen musikalischen Welten. 1979 in Braunschweig geboren, wuchs er in einer Musikerfamilie auf, in der die Geige die Hauptrolle spielte. Er selbst ist im Hauptberuf Konzertmeister der Bergischen Symphoniker. Sein Herz schlägt aber auch für Rock und Pop, Soul, Hip Hop und Rap. Und so kombiniert er Bach und Techno, arrangiert, komponiert und organisiert gemeinsame Projekte von Popgrößen wie Joy Denalane und Max Mutzke mit seinem "Takeover!"-Klassikensemble. Für Westart spielt er im Robert-Schumann-Saal des Kunstpalasts. Dort wird er auch am 16. November mit der Popband "Frida Gold" die musikalische Einheit feiern. Verfall und Aufbruch: Fotografien aus einer ostdeutschen Stadt zur Wendezeit: Während die Ostdeutschen in den Westen strömten, reiste Michael Kerstgens in die andere Richtung. Im März 1990 kam er durch Zufall in die thüringische Stadt Mühlhausen. Der "Stern" hatte den westdeutschen Fotografen in den Osten geschickt, um die "verfallene Stadt" abzulichten. Was ihn jedoch viel mehr interessierte, das waren die Menschen mit ihren Sorgen und Hoffnungen zu einer Zeit, als die Mauer gefallen, der Weg in die Zukunft aber noch ungewiss war. Das ratlose Staunen war offensichtlich, erinnert sich Michael Kerstgens, der im Ruhrgebiet aufgewachsen und bis dahin mit der DDR kaum in Berührung gekommen war. "Mich haben die Stadt und ihre Bewohner gepackt", sagt er. Gerade ist sein Band "ZwischenZeiten" mit den Fotos von damals erschienen. Knapp 30 Jahre später reist er noch einmal nach Mühlhausen.