Westart extra

Kultur, Kunst und Kultur
Westart extra

Infos
www.west-art.de
Produktionsland
Deutschland
WDR
So., 04.11.
09:40 - 11:00
Abschied von der Kohle


Die vielen Zechen mit ihren Hochöfen und Fördertürmen waren 200 Jahre das Wahrzeichen des Ruhrgebiets. Ende Dezember ist Schluss mit dem Bergbau, sie aber werden weiterhin das Gesicht des Potts prägen. Das WDR-Kulturmagazin Westart begleitet mit einer 80-minütigen Sonderausgabe das Ende einer Ära. In der Maschinenhalle der Zeche Zweckel schaut Siham El-Maimouni mit ihren Gästen ein bisschen sentimental auf das alte, aber auch optimistisch auf das neue Ruhrgebiet. Welche Rolle spielt die Kultur beim Strukturwandel? Wie kann sie ihn positiv beeinflussen? Schon jetzt zeichnet sich ab, dass in der Region eine der dichtesten Kulturlandschaften des Kontinents wächst. Mit dabei sind der Schauspieler Peter Lohmeyer, der Theaterintendant Johan Simons, die Islamwissenschaftlerin Lamya Kaddor, der Künstler Andreas Golinski, der Designer Matthias Bohm, der Klangkünstler Christof Schläger, der Poetry Slammer Sebastian 23 und die Filmcrew der Ruhrgebiets-Gangsterkomödie "PIT". Und natürlich auch der Ruhr-Kohle-Chor mit dem "Steigerlied". Peter Lohmeyer: Schauspieler mit Ecken und Kanten Er verkörpert den typischen Ruhrpottcharakter: geradeheraus, zupackend, schnörkellos. Im Hochsauerland geboren, wuchs Peter Lohmeyer in Hagen und Dortmund auf. Die Schauspielschule besuchte er in Bochum. Dort gab er auch sein Bühnendebüt. Mittlerweile lebt er in Hamburg und pendelt beruflich zwischen den großen Metropolen. Das Revier nennt er aber immer noch Heimat. "Da bin ich geerdet", sagt der bekennende Schalke-04-Fan. Zu seinen großen Kinoerfolgen gehören "Das Wunder von Bern" und "Junges Licht". Beide Filme erzählen vom Leben im Ruhrgebiet der Nachkriegszeit, als die Schlote noch rauchten und die Kumpel malochten. Peter Lohmeyer stammt zwar nicht aus einer Bergarbeiter-Familie. Aber den rauen Alltag auf einer Kokerei hat er zumindest für kurze Zeit während eines Ferienjobs kennengelernt. Johan Simons: Theatermagier an der Ruhr Johan Simons ist einer der profiliertesten internationalen Theatermacher. Bevor er ins Ruhrgebiet kam, war er in den Niederlanden, in Belgien und an den großen deutschsprachigen Bühnen erfolgreich. 2015 übernahm er die Leitung der Ruhrtriennale. Mit einem aufregenden Programm an ungewöhnlichen Orten machte er sie für ein breites Publikum attraktiv. Gefeiert wurde er auch für seine eigenen politischen und experimentellen Inszenierungen. Seit dieser Spielzeit ist er Intendant des traditionsreichen Bochumer Schauspielhaues, für ihn "das schönste Theater in Deutschland". Zum Auftakt hat am 1. November "Die Jüdin von Toledo" Premiere, Simons' Bühnenfassung des gleichnamigen Romans von Lion Feuchtwanger. Lamya Kaddor: Lob der bunten Gesellschaft Lamya Kaddor wurde 1978 als Kind syrischer Einwanderer im westfälischen Ahlen geboren. Heute lebt sie mit ihrer Familie in Duisburg. Am Ruhrgebiet schätzt sie die Vielfalt und Buntheit. Doch auch hier, im Schmelztiegel für Einwanderer seit über 100 Jahren, beobachtet sie Ausgrenzung und Abschottung. Angesichts zunehmender Fremdenfeindlichkeit wirbt die Islamwissenschaftlerin für Toleranz und Offenheit. Sie hat zahlreiche Bücher geschrieben - u.a. über muslimische Jugendliche und die Integration von Flüchtlingen. Für ihr 2016 erschienenes Buch "Die Zerreißprobe" wurde sie sowohl von Islamkritikern als auch von muslimischen Fundamentalisten angefeindet. Einschüchtern aber lässt sie sich nicht. Im Gegenteil: "Ich werde nicht die Klappe halten", versichert sie. Matthias Bohms "Grubenhelden" Matthias Bohm macht Mode aus Stoff, der Geschichten erzählt. Als Urenkel eines Bergmanns auf Kohle geboren, hat er vor drei Jahren seinen Job in der Marketingabteilung des FC Schalke 04 an den Nagel gehängt und sich mit dem Modelabel "Grubenhelden" in seiner Heimat Gladbeck einen Traum erfüllt. "Wir arbeiten original Bergmannshemden in unsere Kleidungsstücke ein", sagt er. Oder sogar ein Stück Kohle, dessen Struktur sich auf einem T-Shirt wiederfindet. "Unsere Mode zollt denen Respekt, die mit ihrer Maloche Deutschland und Europa groß gemacht haben." Der Klang der Kohle: Christof Schlägers Presslufthammer-Konzert Er bringt den Sound des Ruhrpotts auf die Bühne: Gemeinsam mit drei Industriemechanikern der Zeche Prosper Haniel hat Klangkünstler Christof Schläger ein "Presslufthammer"-Konzert einstudiert. Zum Einsatz kommen Werkzeuge aus dem Bergbau-Alltag wie Pumpen, Schlagschrauber und Nagelhammer. Christof Schläger, der für kurze Zeit selbst mal Bergmann war, hat dafür eigens einen Apparat gebaut, mit dem er die Geräte steuert. "Ich will die Maschinen zum Klingen bringen", sagt er, "befreit von ihrer Funktion." Sein Konzert ist eine akustische Hommage an die Steinkohle-Ära. Pott und Poetry: Sebastian 23 schaut dem Ruhrpott aufs Maul und ins Herz Sebastian 23 ist einer der erfolgreichsten Poetry Slammer Deutschlands. Sein Name steht für Wortakrobatik und begnadeten Wortwitz. In Duisburg geboren und jetzt in Bochum zu Hause, schreibt er Gedichte, Geschichten, Lieder und hat eine Menge Preise gewonnen. Im letzten Jahr ist sein erster Roman "Die Sonnenseite des Schneemanns" erschienen. Gerade ist er mit seiner aktuellen Soloslamshow auf Deutschlandtour. Wie man aus dem Pott-Slang Slam-Poetry macht, das zeigt er bei Westart. Kunst und Kohle: Andreas Golinskis "Riss" Er bohrt in den Tiefen der Erinnerung und fördert Erstaunliches zu Tage: der Essener Künstler Andreas Golinski. Für das Kunstmuseum Bochum hat er im Rahmen des Projektes "Kunst und Kohle" eine monumentale Rauminstallation aus Trümmerfeldern, Tunneln und Stahlkonstruktionen gebaut. Zentral ist der Riss, den der 39-Jährige auch symbolisch versteht: der Riss, der als Bergbauschaden Straßen und Häuser bedroht. Aber auch der Riss, der mitten durch unsere Gesellschaft geht. Der Charme von Rost und Stahl: die Gangsterkomödie "PIT" "PIT" - das ist eine rasante Gangsterkomödie aus dem Revier. Ganove J steht kurz davor, Vater zu werden. Seiner Frau Mila hat er versprochen, noch vor der Geburt des Kindes aus der Gangster-Szene auszusteigen. Doch er hat es nicht rechtzeitig geschafft. Jetzt ist es zu spät. Die hochschwangere Mila wird entführt. PIT - das ist auch ein außergewöhnliches Filmprojekt, hinter dem Filmschaffende und Studenten aus NRW stehen. Die Story spielt in einem futuristischen Ruhrgebiet, seltsam fremd und doch vertraut. Bei Westart erzählen Regisseur Mike Linde und seine Crew, wie sie beim Dreh den Pott neu erfanden.


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