Wettkampf der Museen - die Medicis vom Arabischen Golf

  • Die Skyline Dohas mit Jean Nouvels Doha Tower. Vergrößern
    Die Skyline Dohas mit Jean Nouvels Doha Tower.
    Fotoquelle: ZDF/YSO/Frank Eggers
  • Große Kunst in der katarischen Wüste: Richard Serra´s Skulptur "East West - West East". Vergrößern
    Große Kunst in der katarischen Wüste: Richard Serra´s Skulptur "East West - West East".
    Fotoquelle: ZDF/YSO/Frank Eggers
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    Ein Wahrzeichen Katars: Jean Nouvels Doha Tower.
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    Fotoquelle: ZDF/bda creative
Report, Reportage
Wettkampf der Museen - die Medicis vom Arabischen Golf

Infos
Produktionsland
Deutschland
Produktionsdatum
2018
3sat
Mo., 29.07.
07:00 - 07:30


Architektur war immer ein Mittel, mit dem man Eindruck schinden kann. Ein Mittel, das die eigene Größe zum Ausdruck bringt. Das nutzten die Herrscher früher genauso wie heute. Eine neue Dimension erreicht der Wettlauf um das größte und schönste Gebäude der Welt gerade am Persischen Golf. Dort geht es nicht mehr um Moscheen oder Wolkenkratzer: Die neuen Prestigeobjekte sind Museen. Mit ihnen geht es um die großartigste Kunst der Welt. Wie im Florenz der Renaissance wird in den reichen Emiraten am Golf in Kunst und Prunkbauten investiert. Koste es, was es wolle: Die Eröffnung des Louvre Abu Dhabi, gebaut vom französischen Stararchitekten Jean Nouvel, setzte im November 2017 den Höhepunkt des Wettlaufs in diesem Jahr. Ein Museum, dessen Architektur größte Anerkennung verdient. Im Nachbar-Emirat Katar soll ein weiteres Museum der Superlative öffnen. Ersonnen hat das ebenso einzigartige Gebäude - wieder Jean Nouvel. Es ist dabei ganz anders als der Louvre Abu Dhabi, der eine Riesenkuppel besitzt und von fern aussieht wie ein Riesenraumschiff, aus der Nähe aber sich als Oasenstadt mit vielen Einzelgebäuden entpuppt. Das National Museum von Katar dagegen sieht aus wie eine gewaltige Wüstenrose. Sie umrahmt ein historisches Gebäude, das schon früher als Museum gedient hat. Moderne und Tradition sollen auch hier einander auf vorteilhafte Art begegnen. Der französische Architekt gilt seit seinem "Institut du monde arabe" als Experte für stilvolle Orientalistik am Bau. Auch für die einmalige Skyline von Katars Hauptstadt Doha hat er einen Wolkenkratzer geliefert, der seinesgleichen nicht findet. Verantwortlich für den kulturellen Boom in Doha ist Sheikha Al Mayassa bint Hamad al Thani. Sie gehört zur herrschenden Familie des absolutistischen Staates Katar. Die Hoheit gilt als die vielleicht mächtigste Frau der internationalen Kunstszene. Sie investiert jedes Jahr Hunderte von Millionen Euro in neue Museen, Kunstwerke für die Sammlungen Katars und in den Unterhalt der heimischen Künstlerszene. Richard Serra zum Beispiel hat für Katar ein monumentales Landart-Projekt realisiert: East West/West East. Es deutet einen Weg an, denn Katar möchte mit Kunst und Museen Verbindungen schaffen, Brücken bauen, Dialoge in Gang bringen. Der amerikanisch-chinesische Architekt Ieoh Ming Pei hatte mit dem 2008 eröffneten Museum für Islamische Kunst in Doha das erste dieser weltweit aufsehenerregenden Großprojekte am Golf vollendet. Jean Nouvels National Museum soll Ende 2018 eröffnet werden. Es soll das kommende Jahr in der Kunst so prägen wie die Eröffnung des Louvre Abu Dhabi. Man darf gespannt sein. Doch auch in Abu Dhabi plant man weitere Museen, unter anderem ein von Frank Gehry entworfenes Guggenheim-Museum und ein National Museum aus der Hand des Stararchitekten Norman Foster. Aber ob das wirklich alles zustande kommt, steht in den Sternen. Noch immer ist mit den seit Jahren geplanten Bauten nicht begonnen worden. Der Wettlauf der Medicis vom Golf um die große Kunst erfährt Brisanz dadurch, dass Katar und die Vereinigten Arabischen Emirate derzeit eine Krise durchmachen. Grund dafür sind auch gegenseitige Vorwürfe, man unterstütze den Terrorismus. Im Sommer 2017 wurden die diplomatischen Beziehungen zwischen den Nachbarländern eingestellt. Die Medicis vom Golf bauen mit ihren Museen Brücken in die Welt. Aber sie selbst reden zurzeit nicht miteinander.


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