Wo Armut Alltag ist

  • Davina macht sich Sorgen um ihren Sohn, er soll es mal besser haben, aber er weigert sich, zur Schule zu gehen. Vergrößern
    Davina macht sich Sorgen um ihren Sohn, er soll es mal besser haben, aber er weigert sich, zur Schule zu gehen.
    Fotoquelle: ZDF/Christiane Schmidt
  • Andrea bei einer Wohnungsbesichtigung. Sie ist arbeitslos, hat Schulden und kaum Chancen auf eine eigene Wohnung. Vergrößern
    Andrea bei einer Wohnungsbesichtigung. Sie ist arbeitslos, hat Schulden und kaum Chancen auf eine eigene Wohnung.
    Fotoquelle: ZDF/Christiane Schmidt
  • Rentnerin Heidi schaut sich Fotos aus der Vergangenheit an. Sie war verheiratet mit einem Kapitän und kannte gute Zeiten. Vergrößern
    Rentnerin Heidi schaut sich Fotos aus der Vergangenheit an. Sie war verheiratet mit einem Kapitän und kannte gute Zeiten.
    Fotoquelle: ZDF/Christiane Schmidt
  • Frank ist seit zwölf Jahren langzeitarbeitslos. Er musste aus gesundheitlichen Gründen aufhören. Nun engagiert es sich bei der Tafel. Vergrößern
    Frank ist seit zwölf Jahren langzeitarbeitslos. Er musste aus gesundheitlichen Gründen aufhören. Nun engagiert es sich bei der Tafel.
    Fotoquelle: ZDF/Christiane Schmidt
  • Davina hat einen Minijob bei einem Discounter in Bremerhaven-Lehe. Hier leben die Menschen mit den meisten Schulden in Deutschland. Vergrößern
    Davina hat einen Minijob bei einem Discounter in Bremerhaven-Lehe. Hier leben die Menschen mit den meisten Schulden in Deutschland.
    Fotoquelle: ZDF/Christiane Schmidt
  • Andrea hat einen Minijob und bekommt Hartz IV. Sie sucht verzweifelt eine bezahlbare Wohnung. Vergrößern
    Andrea hat einen Minijob und bekommt Hartz IV. Sie sucht verzweifelt eine bezahlbare Wohnung.
    Fotoquelle: ZDF/Christiane Schmidt
  • Die Rente reicht nicht zum Leben. Rentnerin Heidi lebt heute von Hartz IV. Lebensmittel bekommt sie von der Tafel. Vergrößern
    Die Rente reicht nicht zum Leben. Rentnerin Heidi lebt heute von Hartz IV. Lebensmittel bekommt sie von der Tafel.
    Fotoquelle: ZDF/Christiane Schmidt
  • Andrea ist gelernte Einzelhandelskauffrau, sie lebt seit acht Jahren in Lehe, seitdem ist sie arbeitslos. Jetzt hat sie einen Minijob in einer Kneipe. Vergrößern
    Andrea ist gelernte Einzelhandelskauffrau, sie lebt seit acht Jahren in Lehe, seitdem ist sie arbeitslos. Jetzt hat sie einen Minijob in einer Kneipe.
    Fotoquelle: ZDF/Christiane Schmidt
  • Rentnerin Heidi lebt seit 20 Jahren in ihrer Wohnung. Nun hat sie eine Kündigung wegen Eigenbedarf bekommen. Vergrößern
    Rentnerin Heidi lebt seit 20 Jahren in ihrer Wohnung. Nun hat sie eine Kündigung wegen Eigenbedarf bekommen.
    Fotoquelle: ZDF/Christiane Schmidt
  • Frank engagiert sich bei der Tafel in Lehe. Hier gibt es Lebensmittel fast umsonst. Vergrößern
    Frank engagiert sich bei der Tafel in Lehe. Hier gibt es Lebensmittel fast umsonst.
    Fotoquelle: ZDF/Christiane Schmidt
Report, Reportage
Wo Armut Alltag ist

Infos
Audiodeskription
Produktionsland
Deutschland
Produktionsdatum
2017
3sat
Di., 20.06.
00:30 - 01:00
Leben in Bremerhaven-Lehe


Bremerhaven-Lehe: Hier leben die Menschen mit den höchsten Schulden in Deutschland. Das Resultat: Armut, verfallene Häuser, Kriminalität, Drogen, Hartz IV. Wer kann, will weg - oder? Laut Schuldneratlas ist Bremerhaven-Lehe Deutschlands ärmster Stadtteil. Von 37 500 Einwohnern können 37 Prozent ihre Schulden nicht bezahlen, 38 Prozent sind arbeitslos, viele leben von Hartz IV. Wie lebt es sich in einem Stadtteil, in dem Armut Alltag ist? Bremerhaven-Lehe ist auf den ersten Blick eigentlich kein "Klischee-Ghetto", es liegt mitten in der Stadt, mit hübscher Gründerzeit-Altbausubstanz. Doch Lehe hat eine traurige Berühmtheit erlangt: hier sollen die Menschen mit den meisten Schulden in Deutschland leben. Der genaue Blick zeigt auch leere Häuser, bröckelnde Fassaden und verrammelte Türen, das Resultat einer umfassenden Entwicklung auch von verfehlter Politik: viele Anwohner sind hier arbeitslos und leben von Harz IV, mitunter schon seit mehreren Generationen. Einen Ausweg aus dieser Spirale gibt es nicht - oder doch? Denn - obwohl das Leben hart ist - der Stadtteil zeichnet sich auch durch Menschen aus, die sich hier zu Hause fühlen, für die Resignation keine Option ist und die daran glauben, dass Lehe und seine Bewohner eine bessere Zukunft haben können. Wenn das Geld nicht reicht, dann treffen sie sich zum Beispiel bei der Tafel - hier gibt es Lebensmittel fast umsonst. Dort begegnen wir Heidi, Andrea und Frank, für die Armut Alltag ist, die trotzdem kämpfen und nicht aufgeben. Frank (51) ist Hartz-IV-Empfänger. Er ist froh, bei der Tafel endlich eine Beschäftigung für 1,30 Euro pro Stunde gefunden zu haben, denn zu Hause fiel ihm die Decke auf den Kopf. Wegen eines Bandscheibenvorfalls hat Frank seine Arbeit im Reinigungsgewerbe aufgeben müssen. Das war vor elf Jahren - seitdem hat er keine Beschäftigung mehr gefunden, war langzeitarbeitslos. Nun schleppt er Lebensmittel. Seine Frau Davina arbeitet auf Minijob-Basis bei einem Discounter. Die ganze Hoffnung der beiden ruht auf ihren Kindern Maximilian und Kimberly. "Man muss halt den Kindern nur beibringen, dass man auch anders leben kann, außer in dieser Armut", sagt Davina. Doch Sorgen macht gerade ihr Sohn Maximilian (11), der sich weigert, in die Schule zu gehen. Häufig verbringt der Junge die Nacht vor dem Computer, ist am Morgen zu müde, um aufzustehen und dem Unterricht zu folgen. Frank und Davina wollen nun alles tun, dass ihr Sohn den Weg zurück in die Schule findet. Denn Maximilian soll es ja mal besser haben. Andrea (44) ist gelernte Einzelhandelskauffrau, sie lebt seit acht Jahren in Lehe, seitdem ist sie arbeitslos. Wie viele Menschen hier schlägt sie sich mit wechselnden Minijobs und Sozialhilfe durch. Andrea hat Kinder, zu denen sie kaum Kontakt hat, und das schmerzt sie sehr. Sie war nach der Trennung von ihrem Mann alleinerziehend, hatte schwere Depressionen, kam in eine Klinik und hat das Sorgerecht verloren. Andrea hofft, ihre Kinder wieder sehen zu dürfen, wenn sie eine eigene Wohnung hat. Denn Andrea wohnt in einer WG - seit einem Jahr sucht sie verzweifelt, aber fast alle Sozialwohnungen sind belegt. Die Wohnungssuche ist erschwert durch die Schulden. Die stammen aus ihrer Ehe, damals übernahm sie Kredite für die Geschäfte ihres Mannes. Mieter mit Schufa-Eintrag lehnen die meisten Wohnungseigentümer aber ab. Die Vergangenheit holt Andrea seitdem immer wieder ein. "Man möchte sein Leben verändern, aber bekommt immer wieder Steine in den Weg gelegt", sagt Andrea. "Das ist so wie mit Arbeit suchen, trotz Ablehnung heißt das weiter gucken, weiter gucken. "Rentnerin Heidi (76) arbeitet ehrenamtlich in der Kleiderkammer der Tafel, von dort kann sie einmal die Woche Lebensmittel mitnehmen. Mit ihrer Rente könnte sie nicht überleben, deshalb bekommt sie Grundsicherung vom Staat. Heidi kennt das Leben aus vielen Perspektiven, auch aus besseren Zeiten, als Geld kein Thema war. Als junge Frau war sie mit einem Kapitän verheiratet. Sie reiste um die Welt, liebte elegante Mode und kümmerte sich um Haus und Kinder. Die Ehe wurde geschieden, Heidi musste neu anfangen, nahm ihr Leben selbst in die Hand. Sie übernahm einen Imbiss, doch der ging nach acht Jahren pleite. So kam Heidi nach Lehe, der günstigen Mieten wegen. "Ich hab' immer meine Hände angeguckt, und wenn es eng wurde, hab' ich immer gesagt, du hast zwei Hände, du kannst putzen." Heidi ist stark sehbehindert, für ihr Alter hat sie einen sehnlichen Wunsch: irgendwann zur Ruhe zu kommen. Doch nun wurde ihr die Ein-Zimmer-Wohnung gekündigt - wegen Eigenbedarf. Die Vorstellung, nach 20 Jahren vielleicht obdachlos zu werden, macht der 76-Jährigen Angst. "37°" begleitet Menschen in Bremerhaven-Lehe, dem ärmsten Stadtteil Deutschlands, die sich trotz finanzieller Not nicht unterkriegen lassen.


Werbepause? Zeit für Spielchen!

Das könnte Sie auch interessieren

ZDF Logo "Leute heute".

Leute heute

Report | 24.06.2017 | 04:50 - 05:00 Uhr
2.83/5012
Lesermeinung
RTL Die Fakten-Checker

Die Fakten-Checker

Report | 24.06.2017 | 09:15 - 10:00 Uhr
4.5/504
Lesermeinung
SWR SWR Fernsehen 5 FALLEN - 2 EXPERTEN: MIETEN UND WOHNEN, am Samstag (24.06.17) um 14:30 Uhr.Die Experten: Rechtsanwalt Hans-Josef Vogel und Werbepsychologin Ines Imdahl

5 Fallen - 2 Experten - Mieten und Wohnen

Report | 24.06.2017 | 14:30 - 15:00 Uhr
0/500
Lesermeinung

 

News
Polizeialltag: Ermittler Andy Bevan und Streifenpolizist Ifor Williams.

"The Murder Detectives" dokumentiert die Aufklärung eines Mordfalls.  Mehr

Katherine Langford und Dylan Minnette in der Netflix-Serie "13 Reasons Why".

Streamingdienste wie Amazon Prime Video oder Netflix sind gefragter denn je. Vor allem Jugendliche u…  Mehr

Schauspieler Maximilian Braun spielt in der RTL-Soap "Gute Zeiten, schlechte Zeiten" eine Hauptrolle.

Jung-Darsteller Maximilian Braun wird ab August eine Hauptrolle in der RTL-Soap "Gute Zeiten, schlec…  Mehr

Dietmar Bär und Klaus J. Behrendt beim "Tatort"-Dreh in Köln.

Klaus J. Behrendt und Dietmar Bär stehen derzeit wieder als "Tatort"-Ermittler Max Ballauf und Fredd…  Mehr

Kriminalhauptkommissar Finn Kiesewetter (Sven Martinek) und Kriminaloberrat Lars Englen (Ingo Naujoks) sind Tätern in Lübeck und an der Ostseeküste auf der Spur.

Auf Sven Martinek und Ingo Naujoks warten 16 neue Fälle: Als Kriminalhauptkommissar Finn Kiesewetter…  Mehr