Gut gegen Böse - der ewige Kampf. Was wie das Szenario aus "Herr der Ringe" klingt, ist für Tausende Live-Rollenspieler aufregende Realität und bedeutet das Abtauchen in eine Welt voller Mythen und Magie. LARP nennt man diese organisierten Live-Rollenspiele, deren Verlauf und Ausgang von den Spielern selbst bestimmt werden. Ein Publikum gibt es nicht, sie spielen allein für sich, sind Schauspieler und Zuschauer zugleich, und ihre Bühne sind die tiefen Wälder in Hessen, im Schwarzwald oder Brandenburg. Entgegen den Klischees sind es keine nerdigen Außenseiter, die vom Live-Rollenspiel angezogen werden. Auf einem "Con" tummeln sich an die 8000 Leute und allein in Deutschland zählt die Community über 250.000 Spieler. Dabei entwickelt jeder Spieler über Jahre seine Rolle weiter, ein festes Drehbuch gibt es nicht, Improvisation und Phantasie sind das Rüstzeug, wenn es in den großen Schlachten um Leben und Tod geht. Es ist eine Welt wie aus den eigenen Kindertagen, in der das Spielen über allem steht. "Wochenendkrieger" portraitiert fünf Spieler in ihrem Alltag und taucht mit Ihnen in die mythische Parallelwelt ab, ist an ihrer Seite wenn sie am Wochenende in den alles entscheidenden Kampf ziehen, und am Montagmorgen wieder pünktlich an ihrem Arbeitsplatz sitzen. Wenn Dirk als "Herrscher des Untoten Fleisches" seine 300 Mann starke Armee in den Kampf führt, vermutet keiner, dass er im realen Leben als Sekretär bei den Grünen nur ein kleines Rädchen ist. Wenn Gymnasiallehrerin Chris aus Tübingen vor ihren Schülern steht, ahnen diese nicht, dass sie als "Aniesha Fey, die Herrin der Leere", eine der bekanntesten und gefürchtetsten Rollenspielfiguren in Deutschland ist. Gregor, der schwule Maskenbildner aus Berlin, entschlüsselt als "Erzmagier Lamathiel" geheime Formeln und liebt das Spiel mit Identitäten und Rollen - sei es beim Magiertreffen oder in der Schwulenszene. Der korpulente Sven arbeitet als Montagearbeiter bei VW am Fließband und verwandelt sich am Wochenende in den "Gärtner der Öligen Pestilenz". "Mit meiner Figur kann ich keinen Prinz spielen, aber meiner Spielfigur macht es nichts aus, dass sie korpulent ist!" und kann über sich selbst lachen. Die gütige "Elfenkönigin Lenora" regiert seit über 700 Jahren im Auental und steht vor einer Schicksalsentscheidung: Soll sie die Elfen in den Krieg führen oder in die Wälder flüchten? Im richtigen Leben steht die schüchterne Studentin aus dem brandenburgischen Groß-Ziehten vor dem Eintritt ins Berufsleben - als Modedesignerin schneidert sie mit Vorliebe phantasievolle Kleider und Kostüme. Einfühlsam und nah an seinen Protagonisten, aber mit einer gehörigen Portion Humor geht Filmemacher Andreas Geiger ("Heavy Metal auf dem Lande") der Frage nach, woher die Sehnsucht nach diesen Phantasiewelten, archaischen Mythen und dem gemeinsamen Spiel kommt? Und wie gehen unsere Protagonisten - ganz normale, liebenswerte und reflektierte Menschen - mit den Widersprüchen ihres Parallellebens um? "Wochenendkrieger" balanciert mit seinen Protagonisten zwischen Pathos und Banalität, Mythos und Alltag, Spiel und Selbstanalyse und gibt Einblick in eine Welt, in der die großen Sehnsüchte der Menschen von heute sichtbar werden. Eine Ode an das Spiel und die Phantasie!