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Kultur, Magazin
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MDR
Do., 12.07.
22:05 - 22:35


Von der Kittelschürze bis zum Rock-Konzert - so kontrastreich kann Kultur in Mittel- und Ostdeutschland sein. Die sehr unterhaltsam gestalteten Beiträge haben die Kunstwelt ebenso zum Thema wie deren Skandale.

Thema:

Gysi im Marx-Jahr: Was hat uns Karl Marx heute zu sagen?

Ein wenig missmutig schaut Karl Marx von seinem Denkmal in Berlin in die Gegenwart. Das Marx-Engels-Denkmal ist zur skurrilen Fotokulisse für Touristen geworden, ein gefälliger Gruß aus der Gruft der Untoten.
Der Politiker und Anwalt Gregor Gysi möchte nun Karl Marx doppelt befreien. Einmal als Schreckgespenst der Geschichte der kommunistischen Gesellschaftsversuche und zum anderen als Maskottchen zur Untermalung linker Ideen. In seinem neuen, beim Aufbau Verlag erschienenen, Buch "Marx und wir" untersucht er im Marx-Jahr 2018 kritisch, unterhaltsam und pointiert die Bedeutung des Marx'schen Denkens und seiner Rezeption. Hat uns Marx noch etwas zu sagen?

Über Seenotretter in Bedrängnis und den Umgang mit Flüchtlingen

Am 10. Juli findet in Leipzig die Mitteldeutschland-Premiere des Dokumentarfilms "Iuventa" statt. Der Film erzählt die Geschichte des gleichnamigen Rettungsschiffs, das in zwei Jahren 14.000 Flüchtlingen im Mittelmeer das Leben rettete und seit 2017 beschlagnahmt in Italien liegt. "artour" stellt diesen Film vor und richtet den Blick auf den aktuellen Fall der "Lifeline", ein Rettungsschiff, das vom Dresdner Verein "Mission Lifeline" betrieben wird. Mit der Mission Menschenleben vor der Küste Libyens zu retten, lief das Schiff am 10. Juni aus. Nach einer Rettungsaktion von 230 Flüchtlingen wird es seit zwei Wochen im Hafen von Malta festgehalten. Dem Kapitän wurde der Pass entzogen und ihm droht eine Anklage. Der Fall der "Lifeline" wurde zum weltweiten Symbol für das ungelöste Flüchtlingsproblem. "artour" trifft die Menschen hinter der "Mission Lifeline" und fragt, was treibt sie an, sich selbst in Gefahr zu begeben. Und es greift die weltweite Debatte auf über die Ursachen von Flucht und die moralische Pflicht, zu helfen.

"Schreiben lernen im Sozialismus" - Zur Geschichte der einzigen Schriftstellerhochschule der DDR

1955 wurde es in der DDR gegründet, 1993 allen Protesten zum Trotz abgewickelt: Das Leipziger Institut für Literatur "Johannes R. Becher". Die "kleinste Hochschule der Welt" war eine Schlüsselinstitution der DDR-Literaturgeschichte, stalinistische Kaderschmiede für die einen, "Insel der Seligen" für andere. Hier sollte Schreiben gelehrt und gelernt werden, es galt Schriftsteller für den Sozialismus auszubilden. Knapp 1.000 Absolventen, darunter später namhafte DDR-Autoren (Werner Bräunig, Adolf Endler, Rainer und Sarah Kirsch, Erich Loest, Katja Lange-Müller, Thomas Rosenlöcher), erhielten am Becher-Institut ein Dichterdiplom. Der Leipziger Lyriker Georg Maurer, in den 60er Jahren Dozent am Haus, inspirierte hier die sogenannte sächsische Dichterschule. Lehrer wie Gerhard Rothbauer und Peter Gosse unterrichteten Weltliteratur. Wie in einem Kammerspiel spiegelt die Geschichte der DDR sich in den Wechselfällen dieses Hauses. Wellen der Obrigkeitshörigkeit und Linientreue wechselten mit Phasen von Liberalität und Freizügigkeit, wie sie im Land selten anzutreffen waren. Jetzt ist der "kleinsten Hochschule der Welt" erstmals eine umfassende historische Studie gewidmet: "Schreiben lernen im Sozialismus", herausgegeben von Isabelle Lehn, Sascha Macht, Katja Stopka. "artour" hat das Buch gelesen und ehemalige Schüler und Lehrer des Hauses getroffen.

Dresden bewirbt sich um Titel als Europäische Kulturhauptstadt 2025

Michael Schindhelm attestiert Deutschland einen Mangel an Internationalität. Der Autor, Kulturberater und Theaterintendant glaubt, dass diesbezüglich ein kultureller Wandel dringend notwendig ist - vor allem mit Blick darauf, wie sich die Welt derzeit ändere. Das sei gerade in Städten wie Dresden der Fall. "Dresden besteht nicht nur aus Pegida und einigen Protestierenden gegen Pegida" sagt Schindhelm, "dort treten bestimmte Konflikte ganz besonders deutlich hervor. Das macht mich neugierig." Michael Schindhelm ist seit März Kurator für die Bewerbung Dresdens als Europäische Kulturhauptstadt 2025. "artour" spricht mit Schindhelm über seine Pläne für diese Bewerbung, über seinen Blick auf Dresden und die Frage, wie diese Bewerbung vor dem Hintergrund von Pegida & Co. zu bewerten ist. Außerdem befragen wir den Schriftsteller und gebürtigen Dresdner Ingo Schulze, wie er Dresdens Bewerbung für 2025 sieht. Und schließlich hören und schauen wir uns in Dresden um.

Buchtipps zur Sommerzeit (Teil 2)

In einer dreiteiligen Serie gibt Katrin Schumacher, Literaturredakteurin von MDR Kultur, den "artour"-Zuschauern Buchtipps mit in die Sommerferien.
* Haruki Murakami: Die Ermordung des Commendatore Band 1 und 2 (Dumont Verlag)
* David Schalko: Schwere Knochen (Kiepenheuer&Witsch Verlag)
* Katharina Adler: Ida (Rowohlt Verlag)

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