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Kultur, Magazin
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MDR
Do., 20.06.
22:05 - 22:35


Von der Kittelschürze bis zum Rock-Konzert - so kontrastreich kann Kultur in Mittel- und Ostdeutschland sein. Die sehr unterhaltsam gestalteten Beiträge haben die Kunstwelt ebenso zum Thema wie deren Skandale.

Thema:

Bach für alle und alles - Bachfest in Leipzig vom 14. bis 23. Juni

Das Bachfest in Leipzig - noch bis Sonntag - hat den "Hofkompositeur" Johann Sebastian Bach zum Motto erwählt. Wesentliche Jahre seiner Karriere, bevor er Thomaskantor wurde, verbrachte er an den Höfen in Weimar und Köthen. Die Musik, die er an den Höfen und für zum Beispiel den Dresdner Hof schrieb, umfasst alle Genres, alles für alle, durchaus quer und überkreuz. Denn Bach nutzte zum Beispiel eine Geburtstags-Huldigung an die sächsische Königin, um die Musik zum Weihnachtsoratorium gleichsam "umzuwidmen". Das Bach-Fest in Leipzig will auch ein Event für alle sein: Von der Bach-Stage mit dem Auto-Konzert Christian von Richthofens über die Bach-Spiele als Mitsingefest auf dem Bahnhof bis in die Oper zum "Magnificat" und ins Paulinum mit der Königin-Kantate als Original, deren sogenannte "Parodie" dann das Weihnachtsoratorium wurde.

Held wider Willen - Leander Haußmann wird 60

Leander Haußmann, am 26. Juni 1959 in Quedlinburg geboren, ist der Sohn von Schauspieler Ezard Haußmann. Der Vater und dessen unbändiges Temperament, Fabulierlust, Widerspenstigkeit waren die Blaupause für den Sohn. Ezard Haußmann, eine Schauspiellegende am Deutschen Theater und an der Volksbühne, stellte sich nicht nur auf Kneipentische und hielt Volksreden gegen die DDR. Er protestierte auch gegen die Niederschlagung des "Prager Frühlings". 10 Jahre Berufsverbot waren die Quittung und für den Sohn eine Lektion: Leander Haußmann wurde noch widerspenstiger... und verletzlicher. Er wurde ein Rolling Stone - nicht nur aus Liebe zu Bob Dylan.
Sein Lebensprinzip: Mal schauen, was noch geht - an Grenzüberschreitung, an Tabuverletzung, an Demaskierung. Wenn Haußmann, der mal Comiczeichner beim "Mosaik" werden wollte, seine Geschichten erzählt, stecken die meisten voller Witz, Ironie, Humor. Der Rausch, die Ekstase, die Provokation sind nur Beiwerk - und Folgen eines guten Bieres. Er ist ein Workaholic und steht früh auf. Die Karriere des Leander Haußmann ist eine Fahrt auf der Achterbahn. Nach seiner Druckerlehre und sich ein bisschen frei spielen in einer freien Theatertruppe wird er Schauspieler, später Regisseur, Drehbuchautor, Intendant, Schriftsteller. Einer seiner größten Erfolge: Der Film "Sonnenallee", eine ironische Erinnerung an die DDR.
Doch Buhrufe und Skandale begleiten ihn ständig. Er kann unberechenbar sein in seinem Anspruch, sich selbst zu übertreffen. Die Selbstzweifel vor sechs Jahren waren so heftig, dass er in eine Depression stürzte. Jetzt will er sich und anderen gegenüber großzügiger sein - und das erste Mal in seinem Leben in den Urlaub fahren. Ein Beitrag zum 60. Geburtstag Leander Haußmanns mit Hinweis auf die Sendung "Lebensläufe".

"Die Unscheinbaren" - ein Roman über die wahre Familiengeschichte eines Spions

Wie ist es, der Sohn eines Spions zu sein? Scham und Schweigen begleiten Rainer Brauns ein Leben lang, weil seine in der DDR lebenden Eltern einst für den BND spioniert haben, bis die Stasi sie 1965 verhaftete. Sein Sohn, der Schriftsteller Dirk Brauns, hat darüber nun einen meisterhaften Roman geschrieben: "Die Unscheinbaren". Das Buch erforscht nicht nur die verborgenen Spionageaktivitäten der Großeltern im Kalten Krieg, sondern beleuchtet die familiären Zerreißproben unter den Nachgeborenen.

Der Erste Weltkrieg in Farbe und Ton

Verschwommene Bilder von Soldaten, die mit seltsam-zackigen Bewegungen an die Front marschieren, schwarz-weiß und stumm, aus einer fernen Zeit: So kennen wir Originalaufnahmen aus dem ersten Weltkrieg. Der Hollywood-Regisseur Peter Jackson will uns nun den Ersten Weltkrieg zeigen, wie wir ihn noch nie gesehen haben. Für seinen Dokumentarfilm "They Shall Not Grow Old" hat er historisches Filmmaterial aufwendig koloriert, geschärft, in 3D konvertiert und vertont. Das Ergebnis ist beeindruckend. Wir erkennen die Gesichter der jungen Soldaten, hören ihre Gespräche, sehen sie leiden.
Doch wozu das alles? Ist das nur ein technisches Muskelspiel, durch das der Erste Weltkrieg zu einem Kino-Spektakel wird, ähnlich den Schlachten in Peter Jacksons "Herr der Ringe" und "Hobbit"-Filmen? Nein, sagt Jackson, gerade der Einsatz modernster Computertechnik sorge paradoxerweise dafür, dass die Menschlichkeit in die Aufnahmen zurückkehre. Statt historischer Distanz würden wir spüren: 100 Jahre sind keine lange Zeit. Es sind Menschen wie wir, die auf diesen Bildern leben und sterben. Sie vermitteln dem Zuschauer intensiver denn je, was es im Ersten Weltkrieg bedeutete, durch den Schlamm zu kriechen, dem Feind aufzulauern und nicht zu wissen, ob man am nächsten Tag überhaupt noch am Leben sein wird. "They Shall Not Grow Old" besteht aus Archivmaterial des Imperial War Museums sowie Tonaufnahmen der BBC und ist Peter Jacksons Großvater gewidmet, der zwischen 1910 und 1919 diente. Ein gewagtes Experiment, das man ab dem 27. Juni im Kino erleben kann.

Kulturkalender

Hundreds live in Leipzig, Parkbühne im Geyserhaus am 21.6. und in Dresden am 22.6.

Frank Kunert - Verkehrte Welt, Ausstellung im Sommerpalais Greiz, bis 13.10.

Tanz ModerneTanz- Internationales Tanzfestival vom 19. bis 23.6. im Theater Chemnitz



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