die nordstory

Report, Dokumentation
die nordstory

Infos
Produktionsland
D
Produktionsdatum
2013
NDR
Fr., 29.06.
14:15 - 15:15
Hamburgs Welterbe - Die Speicherstadt und das Chile-Haus


Im Mittelpunkt der Sendung stehen Geschichten aus Deutschlands Norden - über interessante Menschen, idyllische Landschaften und beeindruckende Tierwelten.
Seit Juli 2015 trägt die Speicherstadt in Hamburg zusammen mit dem Kontorhausviertel und dem Chilehaus den Titel UNESCO-Welterbe. Die Begründung der Jury: Die Stätte symbolisiere auf einzigartige Weise die Folgen des rasanten internationalen Handelswachstums im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert.
Täglich erkunden Tausende Touristen die neugotische Backsteinpracht zwischen Zollkanal und Hafencity zu Fuß oder mit dem Schiff, voller Bewunderung für die Gebäude.
Ihre ursprüngliche Bestimmung als Warenlager hat die Speicherstadt jedoch längst verloren: Kaffee, Tee und Gewürze werden in Flächenlager auf die andere Seite der Elbe gebracht. Nur die Teppichhändler stapeln ihre Ware noch in den alten Speichern. Doch es werden immer weniger. Von ehemals 200 ist die Zahl der Firmen auf 50 geschrumpft. Musti Sherzada ist bei seinem Vater mit in den Betrieb eingestiegen. Wenn er die 10.000 wertvollen Orientteppiche in seinem Lager besieht, sagt er: "Wir müssen schon hart dafür kämpfen, dass wir überleben."
Damit die Speicherstadt aber kein Freiluftmuseum wird, hat die Hamburger Hafen und Logistik AG als Eigentümerin Klaus Hadaschik beauftragt, das Quartier in einen lebendigen Stadtteil für Geschäftsleute und Besucher weiterzuentwickeln. Die Schwierigkeit dabei: Treppen, Giebel, Zinnen, Spitzbögen müssen nach den Auflagen des Denkmalschutzes so bleiben wie sie sind. Das gilt auch für die Holzböden und die alten Fenster auf Flächen mit einer Gebäudetiefe bis zu 25 Meter.
Für Klaus Hadaschik ist das ein ständiger Balanceakt bei den Umbaumaßnahmen, einerseits Altes zu bewahren und andererseits Zukunft schaffen. Aber er ist hochmotiviert: "Der beste Denkmalschutz ist ein langfristig verlässlicher Gebrauch der betroffenen Gebäude."
Von der 300.000 Quadratmeter großen Fläche wurde ein Drittel umgebaut. In der Firma List & Beisler für Spezialitätenkaffee führt Qualitätsmanagerin Katharina de Vries jeden Tag mehrere Cup-Tastings durch. Wie früher, nur in neu gestalteten Räumen und in anderer Besetzung. Günther Looft stellt auf seinem Speicherboden Modeagenten aktuelle Kollektionen vor. Kreative Köpfe der Agentur BrawandRieken machen KaffeebohnenCasting für eine neue Werbung in einem Gebäude aus dem letzten Jahrhundert, in dem früher Schmuggelware zwischenlagerte. Künstlerin Lili Fischer lässt sich in ihrem Atelier von den Räumen für ihre Arbeit inspirieren. Bei einer Fotosession mit Thomas Hampe im Mottenkostüm auf dem Dach war sie kurz davor abzuheben. Christian Rusche betreibt als Einziger Warenlogistik im Kleinen. Mit seinem selbst gebauten Lastenfahrrad versorgt er die Leute in der Speicherstadt mit frischem Obst. Und sogar temporäres Wohnen ist möglich: im ersten Hotel der Speicherstadt. Aber das ist nur durch ein paar Tricks gelungen, denn die gesamte Speicherstadt ist sturmflutgefährdet. Wohnen ist dort eigentlich nicht erlaubt.
Ein weiteres Drittel der Fläche wird eine neue Nutzung bekommen. Im Genuss Speicher zieht ein Kaffeemuseum ein. Im Erdgeschoss wird ein Kaffeeröster von 1923 täglich seinen Dienst tun. Vorausgesetzt, der Schornstein funktioniert, der extra für die Maschine durch sieben Böden im Inneren des denkmalgeschützten Gebäudes eingesetzt wird. Die Nutzung des letzten Drittel liegt noch in der Zukunft.
Das Chilehaus im Kontorhausviertel, dessen Ostspitze wie der Bug eines Ozeanriesen hervorragt, galt in seiner expressionistischen Bauweise 1924 als architektonische Sensation. Bis heute hat es seine ursprüngliche Funktion als Bürogebäude. Doch seitdem Flo Peters mit ihrer Galerie für aktuelle Fotokunst dort eingezogen ist, wird dort nicht mehr nur gearbeitet, sondern auch gelebt. Die Kunstkennerin ist ausgesprochener Fan der "gehäkelten" Backsteinkunst und sorgt dafür, dass das Gebäude als Welterbestätte noch stärker ins architektonische Bewusstsein der Menschheit gerät.


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