die nordstory

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    Steckengeblieben vor Grünendeich: Die 400m lange "CSCL Indian Ocean".
    Fotoquelle: NDR/Ulrich Patzwahl
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Natur+Reisen, Land und Leute
die nordstory

Infos
Produktionsland
D
Produktionsdatum
2013
NDR
Mi., 01.08.
14:15 - 15:15
Elbvertiefung ohne Ende


Im Mittelpunkt der Sendung stehen Geschichten aus Deutschlands Norden - über interessante Menschen, idyllische Landschaften und beeindruckende Tierwelten.
Am 9. Februar 2017 hat der 7. Senat des Leipziger Bundesverwaltungsgerichts entschieden: Die neunte Elbvertiefung soll kommen. Die Freie und Hansestadt Hamburg muss nur noch einige kleine Bestandteile ihres Plans nachbessern, denn der seltene Schierlings-Wasserfenchel, der nur an der Tideelbe wächst, ist immer noch nicht ausreichend geschützt. Und die zur Vertiefung geforderten Ausgleichsflächen reichen dazu nicht aus. Mit anderen Worten gesagt: Es wird erst einmal nicht in der Elbe gebaggert. Immer noch nicht.
In diesem Schwebezustand leben die Menschen an der Elbe seit Jahren. In keiner anderen Region Deutschlands wird so hartnäckig um eine Entscheidung gerungen, nirgendwo sonst sind die beiden Lager, Befürworter und Gegner, so weit voneinander entfernt.
Inge Massow-Oltermann ist Bürgermeisterin von Grünendeich, einer Elbgemeide unweit von Stade. Sie stammt aus einer Lotsenfamilie, in ihrem Geburtshaus ist schon ihr Großvater aufgewachsen. Sie lebt heute dort mit Kindern und Enkelkindern. Ein schönes schlichtes Haus. Aber: Es liegt keine 50 Meter hinterm Deich, genau am Elbeknick. Und genau hier, nur auf der anderen Deichseite, ist im Februar 2016 eines der größten Containerschiffe der Welt, die "CSCL Indian Ocean", auf seinem Weg nach Hamburg aus der Fahrrinne gelaufen und im Elbschlick steckengeblieben. Seitdem hat Inge Massow endgültig die Nase voll: Sie will sich beteiligen, will wissen, was "die da in Leipzig verhandeln", Widerstand leisten gegen die Elbvertiefung.
Hartmut Buß ist Betriebsleiter bei Hansaport im Hamburger Hafen, Deutschlands größtem Erz- und Kohleterminal. Die Bulker, die großen Erzfrachter, sind die schwersten Schiffe weltweit. Eigentlich sind sie alle zu schwer, liegen dadurch zu tief für die Elbe. Deshalb bespricht Buß schon Wochen vorher mit den Abgangshäfen, zum Beispiel in Narvik, die maximale Ladung, prüft Tage vorher, welche anderen großen Schiffe auf der Elbe zum Zeitpunkt der Reise unterwegs sind und schaut noch in der Nacht des Einlaufens stündlich auf den Wetterbericht: Bläst der stramme Ostwind nicht doch zu viel Wasser aus der Elbe? Stress ohne Ende bevor das Schiff da ist, bevor die Arbeit überhaupt anfängt. Buß ist grundsätzlich "sehr belastbar", aber unter diesen Bedingungen oft am Rande der Belastbarkeit. Wenn er sich eines wünscht, dann endlich ein klares Bekenntnis zur Elbvertiefung.
Als Landwirt hat Jan-Peter Rüst an der Elbmündung bei Otterndorf eigentlich gar nichts mit der Elbvertiefung zu tun. Aber er pachtet, wie schon sein Vater, für seine Bullenmast die Weideflächen im Außendeich. Dort grasen die Tiere im Sommer in unmittelbarer Nachbarschaft zu den Containerriesen. Neuerdings jedoch wird die Weidefläche kleiner. Das Land bricht ins Fahrwasser ab, in die Elbe. Erst recht, seitdem das Land Niedersachsen vorgegeben hat, dass der Sommerdeich, der die Erosion zumindest aufhält, abgetragen werden muss. Nur die Weideflächen ohne Deich stehen nämlich als Ausgleichsflächen unter Naturschutz. Und von denen, so sagen jetzt die Richter in Leipzig, gibt es immer noch zu wenig.
Die Liste derjenigen, die unter dem derzeitigen Zustand leiden, lässt sich beliebig verlängern: Für die Traditionsreederei Hapag-Lloyd wird es immer schwerer, mit ihren größten Schiffen den eigenen Stammsitz, Hamburg, anzulaufen. Der bedeutende Fischereihafen Friedrichskoog wurde im Sommer 2015 von der schleswig-holsteinischen Landesregierung endgültig geschlossen, weil die Ausbaggerung der Zufahrt zu kostspielig wurde. Dabei bestreitet niemand mehr, dass das mit einem ganz besonderen Schlick zusammenhängt: mit dem verklappten Baggergut aus der Elbe.
Die Elbvertiefung ist ein gordischer Knoten, so scheint es, der längst nicht mehr aufgelöst werden kann. Welche Seite hat Recht? Welche Meinung überzeugt?
Gerd Lefers, Apfelbauer und Deichrichter im Alten Land, hat als Kind die Sturmflut von 1962 miterlebt. "Die Dimensionen haben sich verschoben. Nicht nur die Schiffe sind immer größer geworden, auch die Bedrohung für unser Land", sagt er.


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