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So., 14.10.
23:20 - 00:05
Die 70. Frankfurter Buchmesse


Es ist die 70. Frankfurter Buchmesse, die größte Bücherschau der Welt und für eine Woche das Zentrum der politischen und literarischen Debatten. In diesem Jahr eine besondere Herausforderung für die Buchmesse, die sich immer auch als Plattform der drängenden gesellschaftspolitischen Fragen versteht: Nicht nur die Idee eines geeinten, liberalen Europas - noch im vorigen Jahr vom französischen Präsidenten Emmanuel Macron mit großer Überzeugungskraft vorgetragen - gerät in die Defensive. Die liberale Demokratie wird nun auch in Deutschland von ihren Feinden, von Rechtspopulisten und Rechtsradikalen, massiv angegriffen. Mit ihrem laut vorgetragenen Misstrauen und ihrer Verachtung für die Demokratie sind sie dabei, die moralischen Grundwerte der Gesellschaft zu verschieben. "Wir erleben einen diffusen Hass auf das sogenannte Establishment, aber auch auf Minderheiten und Andersdenkende", sagte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier eine Woche vor der Eröffnung der Frankfurter Buchmesse und forderte zu mehr Engagement und demokratischem Patriotismus auf. Auch die Menschenrechte werden in diesem Jahr 70 Jahre alt. Sie sind das große übergreifende Thema der diesjährigen Buchmesse. Zwei runde Geburtstage also und ein trauriger Anlass: Die universellen Menschenrechte, 1948 von den Vereinten Nationen in Paris erklärt, drohen, im Zusammenhang mit Migration und Geflüchteten, selbst in Europa nicht mehr anerkannt zu werden. Gleichzeitig öffnet sich die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter, die soziale Ungerechtigkeit wächst, und auch die Sorge um das Kulturgut Buch nimmt zu. Obwohl immerhin noch 42 Prozent der Deutschen Bücher kaufen, nimmt die Anzahl der Leser kontinuierlich ab - Smartphones und TV-Serien scheinen den Kampf ums Zeit-Budget zu gewinnen.

Thema:

Menschenrechte sind Frauenrechte
Die glamouröse Schriftstellerin und Feministin Chimamanda Ngozi Adichie

Sie ist eine der aufregendsten jungen Stimmen der Weltliteratur: Chimamanda Ngozi Adichie, 41-jährige Schriftstellerin aus Nigeria. Jetzt hat sie die Frankfurter Buchmesse mit einer fulminanten Rede eröffnet, in der sie die Verantwortung der Schriftsteller betont, in einer Zeit, in der "das mächtigste Land der Erde in Dunkelheit versunken ist". "ttt" trifft die Schriftstellerin am Rande ihres Auftritts und spricht mit ihr über Menschenrechte und Frauenrechte.

Robert Habeck und sein aktuelles Buch "Wer wir sein könnten"

Mit ihren sprachlichen Grenzverschiebungen, ihren verrückten Sprachbildern vom "Asyltourismus", der "Umvolkung" und den "Volksverrätern", verändern die Rechten die Grundannahmen unserer Gesellschaft. Sie stellen die Verfassung und die Menschenrechte in Frage, schreibt Habeck, härten mit ihrer verrohten Wortwahl gegen Mitleid ab und normalisieren die Gewalt. Analytisch, nachdenklich, klug und zuversichtlich - "Wer wir sein könnten", wenn wir zum Beispiel nur darauf achteten, was wir sprechen. Das Buch zur aktuellen politischen Lage.

"Nachtleuchten" - Maria Cecilia Barbetta und ihr neuer Roman

"Nachtleuchten", der jüngste Roman der seit 22 Jahren in Deutschland lebenden Maria Cecilia Barbetta, spielt in den Jahren 1974/75 in ihrer Heimatstadt Buenos Aires, in der von Ängsten geprägten Zeit unmittelbar vor der Militärdiktatur. "Dieser Roman sprüht vor Ideen, er ist ein Vulkan voller verschachtelter Sätze, die uns atemlos Seite um Seite umblättern lassen", schreibt die Jury für den deutschen Buchpreis über das Buch, das es bis auf die Shortlist geschafft hat. "ttt" hat die Schriftstellerin in Berlin und auf der Frankfurter Buchmesse getroffen.

Ein Stück deutscher Geschichte - Das Protokoll des NSU-Prozesses

Fünf Jahre lang ist sie in den tageslichtlosen Münchner Gerichtssaal gegangen, um zu protokollieren, wie Recht gesprochen wird gegen die rechtsradikale Terrorgruppe NSU. Annette Rammelsberger und drei weitere Autorinnen und Autoren haben diesen Prozess festgehalten, der einer der größten und längsten der Nachkriegszeit war - ein Lehrstück in Deutscher Geschichte. Tanjev Schulz ist einer der drei Mitautoren. Er hat ein eigenes Buch dazu geschrieben: "NSU - Der Terror von rechts und das Versagen des Staates".

Gastland Georgien

In diesem Jahr ist Georgien das Gastland der Buchmesse, ein Land an der Grenze zum Orient, den Blick auf Europa gerichtet, als dessen Teil die meisten Georgier sich verstehen. 170 Bücher stellen sie auf der Buchmesse vor, alle ins Deutsche übersetzt. "ttt" ist nach Tiflis gereist und stellt drei georgische Schriftstellerinnen und Schriftsteller vor: Nana Ekvtimishvili und ihren Debütroman "Das Birnenfeld", den Tausendsassa, Schriftsteller und Bergsteiger Archil Kikodze und seinen Bestseller "Der Südelefant" und Davit Gabunia und seinen Krimi "Farben der Nacht".

Friedenspreis als "Betriebsjubiläum"
Das Intellektuellenpaar Aleida und Jan Assmann wird in der Paulskirche geehrt

Der Friedenspreis an die beiden wird als politisches Signal verstanden, schließlich hat sich das Ehepaar Assmann - gerade wurde goldene Hochzeit gefeiert - lang mit Erinnerungskultur beschäftigt, dem kulturellen Gedächtnis, dem Verdrängen und Vergessen. "ttt" hat Aleida und Jan Assmann in ihrem Haus am Bodensee besucht und mit ihnen über "Menschenrechte und Menschenpflichten", ihr 50-jähriges "Betriebsjubiläum" und das Glück des intellektuellen Dialogs vom Frühstück bis zum Abendessen gesprochen.

"Erinnerung eines Mädchens"
Annie Ernaux versucht das Mädchen zu ergründen, das sie einst war

Sie bezeichnet sich als "Ethnologin ihrer selbst" und schreibt ganz außergewöhnliche, autobiografische Bücher: Annie Ernaux. Jetzt erscheint mit "Erinnerung eines Mädchens" das fehlende Puzzlestück, das Buch, das sie seit 30 Jahren schreiben wollte. Es ist ein Buch über den Wendepunkt in ihrem Leben, ihr "erstes Mal": eine traumatische Erfahrung, die ihr Leben verändern sollte. "ttt" hat Annie Ernaux in ihrem Haus bei Paris getroffen und mit ihr über ihr Buch gesprochen, das zur Buchmesse auf Deutsch erscheint.

"Bad Bank" - Dirk Laabs über Aufstieg und Fall der Deutschen Bank

Ein Deutscher-Bank-Manager begeht im Januar 2014 in London Suizid. Das ist der Einstieg in das Buch "Bad Bank - Aufstieg und Fall der Deutschen Bank" von Dirk Laabs. Interne Dokumente , Gerichtsakten, Klageschriften und unzählige Gespräche mit aktiven und ehemaligen Mitarbeitern der Deutschen Bank hat Laabs zusammengetragen - zu einer spannenden Geschichte über Arroganz, Hybris, Selbstüberschätzung und krimineller Energie der Akteure. "ttt" trifft den Autor und Filmemacher vor den Türmen der Deutschen Bank und auf der Frankfurter Buchmesse.



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