Manchmal soll sich der Nachtdienst in der Jugendstrafanstalt Plötzensee die Akte ausleihen wie eine Grusellektüre: Für einen der brutalsten Morde in Deutschland bekam Jeannette S. 1992 8 1/2 Jahre Jugendhaft - ohne Bewährung. Da war sie 15! Gemeinsam mit zwei anderen Jugendlichen und einem Achtzehnjährigen hatte sie in Schwedt an der Oder die 13-jährige Melanie H. so unvorstellbar grausam zu Tode gequält, dass im Gerichtsprotokoll das Wort "bestialisch" auftaucht. Grund der Tat: Beziehungsstreitigkeiten unter den Jugendlichen, die mehr oder minder auf der Straße oder in Heimen lebten. Schon 1993/94 drehte die Regiestudentin Aelrun Goette zum ersten Mal mit der jugendlichen Mörderin und wurde daraufhin Jeannettes Vollzugshelferin. Der Kurzfilm "EINE" lief auf vielen Festivals. In Aelrun Goettes neuem Dokumentarfilm erlebt der Zuschauer Jeannettes Auseinandersetzungen mit ihrer Tat und ihrem Leben: Von den ersten Momenten, in denen die noch fast kindliche Täterin die Einzelheiten des Mordes mit bestürzender Gleichgültigkeit schildert, über Dokumente des Verdrängens und der Verzweiflung bis hin zu einer Annäherung an das Unfassbare. Welcher Mensch verbirgt sich hinter dieser Tat, wie sieht ihr Alltag im Strafvollzug aus, wie wird sie auf "ein Leben in sozialer Verantwortung" vorbereitet? In Gesprächen mit Jeannette, Mithäftlingen, Beamten, Therapeuten und der Staatsanwältin zeigt sich, wie Jeannettes Tat und Persönlichkeit ihre Umgebung noch heute polarisieren. Der erste "begleitete Ausgang" nach 5 Jahren erfüllte die zum Zeitpunkt der Aufnahmen 21-Jährige dennoch mit Hoffnung.