Maria Schneider

Maria Schneider in Rivettes "Merry-Go-Round" Vergrößern
Maria Schneider in Rivettes "Merry-Go-Round"
Marie-Hélène Schneider
Geboren: 27.03.1952 in Paris, Frankreich
Gestorben: 03.02.2011 in Paris, Frankreich

1972 bringt Bernardo Bertolucci Maria Schneider an der Seite von Marlon Brando in "Der letzte Tango in Paris" ganz groß heraus. In aller Welt feiert man sie als Star. Doch die Freizügigkeit des Films, die kompromisslose Zurschaustellung ihres Körpers beim ausführlichen Herumferkeln mit Marlon Brando wird Maria Schneider im Nachhinein mehr zur Last, die auch das Privatleben überschattet.

Nach dem Zweiten Weltkrieg kommt Maria Schneiders Mutter aus Rumänien nach Frankreich, der Vater ist der bekannte französische Filmschauspieler Daniel Gélin - heißt es. Maria lebt mit der Mutter in Melun und Madrid, mit 15 trennt sie sich von der Mutter, geht nach Paris und lebt am Montmartre. Alain Delon gibt ihr die erste große Chance in "Madly" (1970) von Roger Kahane. Ihr erster größerer Kinoauftritt erfolgt in Jean Dewevers "César Grand Blaise" (1971). Sie spielt in Filmen von Jean Aurel, Roger Vadim und Terence Young.

Nach Bertoluccis Skandalwerk sind ihre Rollenangebote auf den "Tango" hin ausgerichtet. Maria Schneider ist ein gebranntes Kind, ihre Entscheidungen sind nicht immer ihrer Karriere dienlich. Da fehlt der treusorgende, umsichtige Agent. Dass sie 1975 bei Bertoluccis "1900 - Gewalt, Macht, Leidenschaft" aussteigt, ist sicher keine glückliche Lösung, Jahre später bei Tinto Brass' Monumentalporno "Caligula" schon eher. Bertolucci verlangt von seinen Schauspielern viel, doch er beutet sie nicht aus. Bei Brass sieht das anders aus.

Der Presse gegenüber gibt sie sich nach dem "Tango" recht ruppig. Das ist verständlich, hat man ihr doch die wildesten Dinge angedichtet. Persönlich war Maria Schneider so ganz anders als das Mädchen im "Letzten Tango". Sie liebte Männer und Frauen, hatte viele Affären. Dazu bekannte sie sich offen; anfangs allerdings wohl als Protestreaktion auf das Verhalten der Öffentlichkeit ihr gegenüber. Ob sie wirklich die Tochter von Daniel Gélin ist, war ihr schon immer Wurst gewesen. Sicher, es gab in der Öffentlichkeit unschöne Auftritte, Alkohol- und Drogenkonsum, Nervenklinik und Heilanstalt. Doch das alles sind nur Reaktionen auf ein Schlachtfest der Sensationspresse.

1974 sieht man sie nicht nur in Otto Schenks misslungener Schnitzler-Adaptation "Der Reigen", sondern auch an der Seite von Jack Nicholson in Michelangelo Antonionis "Beruf: Reporter". 1977 spielt Maria Schneider in dem Film "Die zweite Haut" der italienischen Feministin Sofia Scandorra, eine bisexuelle gehbehinderte junge Frau. Ausgezeichnet ist sie auch im homogenen Ensemble von Daniel Schmids "Violanta" (1977). Wirkliches schauspielerisches Können beweist sie unter der Regie von Jacques Rivette in "Merry-Go-Round" (1981).

Enki Bilal, der berühmte Comic-Zeichner und Filmemacher, schwärmte von Maria Schneiders Talent, seit er mit ihr und Jean-Louis Trintignant den Film "Bunker Palace Hotel" (1989) gedreht hatte. 1992 spielt sie die Noria in Cyril Collards "Wilde Nächte" neben Collard und Romane Bohringer. 1995 sieht man sie an der Seite von William Hurt und Charlotte Gainsbourg in Franco Zeffirellis Literaturverfilmung "Jane Eyre", 1997 folgt der US-TV-Film "Something to Believe in".

Danach wird es stiller um die Darstellerin, kleinere Rollen hat sie noch einmal in Bertrand Blier "Les acteurs" (2000), in Laetitia Massons "La Repentie" (2002) und schließlich in Josiane Balaskos "Cliente" (2008). Im Februar 2011 stirbt sie in ihrer Heimatstadt im Alter von nur 58 Jahren an den Folgen einer Krebserkrankung.

Weitere Filme mit Maria Schneider: "Pascal", "Oh, diese Frauen" (beide ungenannt, 1969), "Das späte Mädchen", "Hellé", "What a Flash!" (alle 1972), "Liebe Eltern" (1973), "Das ganz große Ding" (1975), "Voyage au jardin des morts" (1978), "Een vrouw als Eva", "Die Aussteigerin" (beide 1979), "Weiße Reise", "Killer-Truck", "Mama Dracula" (alle 1980) "Sezona mira u Parizu" (1981), "La chanson du mal aimé" (1981), "Keine Zeit für Wunder" (1982), "Eine Leiche kommt selten allein" (1983), "Buio nella valle" (TV-Mehrteiler), "Yoroppa tokkyu" (1984), "A Song for Europe" (1985), "L'or noir de Lornac" (TV-Serie), "Résidence surveillée" (1987), "Silvia è sola" (1988), "Die Verurteilung" (1990), "Écrans de sable", (1991), "Ein Tag und eine Nacht" (1992), "Contrôle d'identité" (1993), "Navarro" (TV-Reihe, eine Folge, 1995), "Angelo nero", "Tristan und Isolde - Eine Liebe für die Ewigkeit" (beide 1998), "Maigret" (TV-Reihe, eine Folge), "Au large de Bad Ragaz" (beide 2004), "Quale amore", "Perds pas la boule!", "La clef" (alle 2006), "La vie d'artiste" (2007) und "A.D. La guerre de l'ombre" (TV-Serie, zwei Folgen, 2008).

Foto: Kinowelt

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