Eigentlich klingt die Briefkorrespondenz eines Ehepaars wie ein banaler Alltagskonflikt. Wenn sie sich beschwert, dass er sich immer die Reden seines Chefs anhören müsse, obwohl er wisse, was er sagt und er nur darauf erwidert, dass er für dessen Sicherheit zu sorgen habe. Doch dieser Briefwechsel stammt von dem Ehepaar Magda und Heinrich Himmler, der im Februar 2014 mit weiterem Archivmaterial der Familie veröffentlicht wurde.

Die israelische Filmemacherin Vanessa Lapa durchforstete den umfangreichen schriftlichen Nachlass Heinrich Himmlers, des Leiters der SS, und ging der Frage nach, wie ein Mensch, der sich offenbar privat auf ethische Grundsätze verstand, zum "Architekten der Endlösung" werden konnte.

Einer der mächtigsten Männer im Dritten Reich

Relativ sachlich werden Teile des Briefwechsels verlesen, in denen nur wenig erkennbar ist, was Himmler in den sogenannten "Posener Reden" verlautbaren ließ. Denn diese 1943 vor SS-Kadern im polnischen Posen (Poznas) gehaltene Reden dokumentieren eindringlich den Vorsatz des Nazi-Regimes, die Massenmorde an Jüdinnen und Juden mit aller Härte durchzuführen.

Als Konstrukteuer des Holocaust war Heinrich Himmler einer der mächtigsten Männer im Dritten Reich, der sich mit buchhalterischer Exaktheit um die Logistik und Infrastruktur der "Endlösung" kümmerte. Die Regisseurin Vanessa Lapa wirft nun mit diesem Werk einen neuen Blick auf die Biografie Himmlers, der sich selbst als "anständig" bezeichnete. Ohne zu werten entstand so das Porträt eines höchst widersprüchlichen NS-Massenmörders.