15. September 1945: Ein Soldat erschießt einen Zivilisten, der vor einem Haus eine Zigarre raucht - in der Abenddämmerung, zur Sperrstunde. Täter und Opfer sehen sich nur einen geblendeten Augenblick lang: im Aufglimmen der Zigarre, im Mündungsfeuer der drei Todesschüsse. Der Täter - der amerikanische Armeekoch Raymond N. Bell - wird in seine Heimat abgeschoben und stirbt dort - fast auf den Tag genau - zehn Jahre später. Er sagt immer wieder: "Ich wünschte, ich hätte den Mann nicht erschossen", und trinkt sich langsam zu Tode. Bell weiß nicht einmal, wer der Mann war, den er erschossen hat. Es hätte auch sein können, daß sich die beiden nie begegnen - unterschiedlichere Charaktere sind kaum denkbar.

Der erschossene Mann war Anton Webern, ein zeitgenössischer Komponist. In der Filmphantasie über das tragische Ereignis begegnen sich Webern und Bell, ihre Lebensläufe werden verschränkt. Das historische Nacheinander, der Zeitablauf, ist aufgehoben zugunsten dichterischer und bildlich verdichtender Konfrontation zweier Personen, die außer einer flüchtigen Begegnung im Tod in Mittersill nichts miteinander zu tun haben und die die "Stimme" der Filmerzählungen durch Zeit und Raum aufeinander zu und voneinander weg treibt .