Sofia, Hauptstadt Bulgariens: Wo früher 140 Ambulanzen zwei Millionen Menschen versorgten, sind heute nur noch etwa 13 klapprige Gefährte im Einsatz. Wer in der Stadt einen Herzinfarkt erleidet, muss bis zu fünf Stunden auf das Eintreffen eines Krankenwagens warten. Viele Menschen sterben, während sie vergeblich warten. Der Grund sind weniger fehlende Fahrzeuge, als das Personal, das nicht mehr bereit ist, für einen Lohn zu arbeiten, der im Winter kaum die Heizkosten deckt …

Der aus Sofia stammende ehemalige Konzertviolonist und Filmemacher Ilian Metev zeigt in seinem vielfach ausgezeichnetem Dokumentarfilm - sein Langfilmdebüt - den Alltag eines Arztes, einer Krankenschwester und des Fahrers einer Ambulanz in Bulgariens Hauptstadt. Jeden Tag kämpfen die drei Idealisten mit vollem Einsatz gegen das marode Gesundheitssystem, Korruption und eine Flut von Absurditäten. Regisseur Metev, der seine Protagonisten zwei Jahre lang mit der Kamera begleitete, drehte beinahe ausnahmslos im Inneren des Krankenwagens und fängt dabei die Gespräche der Retter untereinander und ihren Patienten ein, die nie im Bild erscheinen - ebenso wie die Stadt selbst. Das ist auch nicht nötig, denn die Gespräche der drei sympathischen Protgonisten sagen weitaus mehr über die Lebenswirklichkeit in Bulgarien aus als schöne Bilder Sofias.



Foto: © Ilian Metev/W-film