Die 15-jährige Schwarze Marieme lebt in einem Sozialwohnungsbau in einem der berüchtigten Pariser Vororte. Das Bild des Banlieue ist geprägt von verarmten Familien, vornehmlich afrikanischer und arabischer Herkunft. Hier herrscht Arbeitslosigkeit, Frustration, Hoffnungslosigkeit und Perspektivlosigkeit. Die schüchterne Marieme sucht in dieser öden Betonlandschaft nach ihrem Platz in der Gesellschaft. Sie schließt sich einer dreiköpfigen Mädchen-Gang an. Die Mädels loten permanent die Grenzen des Machbaren aus, streben nur danach „cool“ zu sein und wollen sich endlich vom familiären Druck lösen und frei fühlen. Als sie wegen schlechter Leistungen von der Schule fliegt, scheint ihr Weg, gefördert durch den Gruppenzwang ihrer Clique, in die Kriminalität vorgezeichnet zu sein ...

Erstaunlich souverän aufspielende Hauptdarstellerin

Die französische Regisseurin Céline Sciamma begab sich (nach „Waterlilies“ und „Tomboy“) erneut auf die Suche nach jugendlich-weiblicher Selbstfindung. Dank der erstaunlich souverän aufspielenden Hauptdarstellerin Karidja Touré  – ihr gelingt der Wandel vom schüchternen Mädel zur gnadenlosen Bitch überaus gekonnt –, den genauen und durchaus realistisch beobachteten Lebensumständen der erwachsenwerdenden Herumstreunerin, der starken Farbdramaturgie und den einfühlsamen Wechseln von stillen Momenten zu rauschhaften Szenen schaffen viele beeindruckende Bilder, die zum Glück auch mit einer gekonnten Kameraführung eingefangen wurden.