Wer kennt sie nicht, die scheinbar endlosen Besprechungen und Workshops, in denen in speziellen Räumen, die nur diesem einen Zweck dienen, bei Getränken und kleinen Snacks Probleme und Lösungen bis in die kleinsten Einzelheiten nicht selten stundenlang zerredet werden. Oft profilieren sich Einzelne, die der freien Rede mächtig sind, glänzen mit Worthülsen, die so austauschbar sind wie der eigentliche Besprechungsgegenstand. Denn vielen Teilnehmern geht es lediglich darum, sich zu präsentieren oder bereits vorgefertigte Standpunkte zu repräsentieren.

Filmemacher und Mediziner Stefan Landorf hat sich die Besprechungsrituale in deutschen Unternehmen wie öffentlichen Einrichtungen vorgenommen. So besuchte er unter anderem Unternehmen wie etwa das Pharma-Unternehmen Glaxo Smith Kline in München, der Berliner Stadtreinigung, der Kindernothilfe Duisburg, die Justizvollzugsanstalt in Lingen und die 14. Panzerdivison der Bundeswehr in Neubrandenburg. Nach kurzer Erheiterung stellt sich beim Zuschauer schnell Unbehagen ob der sich mechanisch wiederholenden Abläufe des Besprechungsapparats ein, denn zu sehr ähneln sich die neumodischen, die einzig durch die Auftritte einiger Schauspieler unterbrochen werden, die das Gesehene persiflieren. So entstand ein auf Dauer ermüdendes Porträt der Besprechungskultur in Deutschland, denn 82 Minuten Klugschwätzerei zu ertragen, ist schon fast eine Strafe.



Foto: Arsenal Institut