Klawdija Wawilowa, Politkommissarin eines roten Regiments im russischen Bürgerkrieg, hält auf strenge Disziplin. Als die Soldaten einen jungen Deserteur fassen, lässt sie ihn auf der Stelle erschießen. Da die Kommissarin hochschwanger ist und das Regiment sich vor der vorrückenden Übermacht der weißen Armee bald wieder zurückziehen muss, lässt man sie bei dem jüdischen Kesselflicker Jefim und seiner Frau Marija zurück. Marija und ihre vielen Kinder leben äußerst ärmlich und haben sich dennoch so viel Menschlichkeit bewahrt, dass sich in ihrer Obhut langsam der seelische Panzer der Kommissarin löst. Mit dem neugeborenen Kind verbringt sie Tage zaghaften Glücks, dann muss sie sich zwischen der Mutterrolle und der Rückkehr zum Regiment entscheiden ...

Aleksandr Askoldow hat diese Episode aus dem russischen Bürgerkrieg mit großer poetischer Kraft und bewegender Emotionalität in Szene gesetzt. In beeindruckend komponierten Bildern und Metaphern zeigt er die Differenz zwischen unmenschlicher Kaderpolitik und solidarischer Humanität, in der rassistische (hier antisemitische) Ansichten keinen Platz finden. Mit der Musik von Alfred Schnittke, verschränkt der Film Gegenwart, Vergangenheit und eine bedrohlich nahe Zukunft - die Vernichtung jüdischer Menschen, die sich in makabren Kinderspielen und Visionen ankündigt. Als das verbotene Meisterwerk 20 Jahre nach der Entstehung dank "Glasnost" endlich zutage kam, machte es bald auf westlichen Festivals Furore und gewann 1988 in Berlin den Silbernen Bären und verschiedene weitere Auszeichnungen. Aleksandr Askoldow war zunächst als Literat tätig, schrieb Essays sowie Theater- und Literaturkritiken. Er arbeitete in der Theaterdramaturgie, war Chefredakteur bei Goskino, der Moskauer Filmbehörde, und drehte 1966/1967 im Moskauer Gorki-Studio seinen ersten Film "Die Kommissarin". Der Film, der auf Motiven der Erzählung "In der Stadt Berditschew" von Vasilij Grossman basiert, wurde nach der Fertigstellung sofort verboten. Interessant: Als der Film 1988 wieder entdeckt wurde, wurde er in der DDR erneut verboten.

Foto: ARD/Degeto