Frauenschwarm, Lebemann und Publikumsliebling mit glänzenden Boxer-Karriereaussichten, das war Johann Rukeli Trollmann, auch Johann "Gypsy" Trollmann genannt. Aufgewachsen in der Altstadt von Hannover, begann der Sinto schon in jungen Jahren zu boxen, ganz offensichtlich war sein Talent. Bereits in den Zwanzigerjahren wird er gefeiert, für seine tänzelnde wie geschmeidige Art zu boxen, liebt ihn das Publikum. Doch den aufstrebenden Nationalsozialisten ist der Halbschwergewichtler bereits zu dieser Zeit ein Dorn im Auge, denn wie kann ein "Zigeuner" gegen einen "deutschen" Boxer gewinnen. So wird Trollmann bereits 1928 die Reise zu den Olympischen Spielen in Amsterdam verwehrt, doch trotzdem gelingt ihm eine steile Profikarriere. Sportlicher Höhepunkt ist 1933 sein Kampf gegen Adolf Witt, den er ebenfalls gewinnt und Deutscher Meister wird. Doch die inzwischen an die Macht gekommenen Nazis erkennen ihm den rechtmäßigen Titel wegen "ungenügender Leistungen im Ring“ und "unsportlichem Verhalten" ab. So entschließt sich Trollmann, einen letzten Kampf zu kämpfen, mit eingestäubtem weißen Körper und hell gefärbten Haaren als Karikatur eines Ariers ...

Filmemacher Eike Besuden ("Verrückt nach Paris", "Deckname Cor") erinnert mit seinem Mix aus Spielszenen, zeitgenössischen Aufnahmen und Interviews an einen fast vergessenen, großartigen Sportler, dem seine Herkunft im nationalsozialistischen Deutschland zum Verhängnis wurde. Nach dem Ende seiner noch jungen Karriere hielt sich Trollmann mit Gelegenheitsjobs über Wasser, heiratete und verließ seine Frau und Tochter aber, um ihre Existenz nicht zu gefährden. Später zog er als Soldat in den Krieg, wurde verwundet und kehrte nach Hannover zurück. Dort wurde er bereits nach kurzer Zeit verhaftet und im KZ Neuengamme inhaftiert. Trollmann starb schließlich 1944 in KZ-Außenlager Wittenberge, nachdem er einen Kapo im Boxkampf niedergeschlagen hatte und der Unterlegene ihn mit einem Knüppel erschlug. Ein wichtiges Werk über einen heute nur noch wenigen bekannten Sportler, dessen Schicksal stellvertretend steht für hunderttausende Roma und Sinti, die von dem Nazi-Regime ermordet wurden. Schade, dass die Inszenierung nicht über TV-Niveau hinauskommt.



Foto: Jörg Landsberg