4. Mai 1521 - in einer waghalsigen Entführungsaktion wird der Mönch Martin Luther vor seinen Häschern auf die thüringische Wartburg in Sicherheit gebracht. Eben noch stand er vor dem Wormser Reichstag und weigerte sich, seine Thesen zu widerrufen - dies konnte nur den kaiserlichen Bannspruch zur Folge haben. Luther ist nun vogelfrei und wird aus der Kirche ausgeschlossen. Wie wird er diesen totalen Bruch mit allem "was heilig ist" und mit allem was der Mensch Luther kennt, überleben? Der Film trifft Martin Luther in seinem "Wartburgjahr" an, in dem Jahr, in dem sich sein persönliches Schicksal und das der Reformation nachhaltig entscheiden wird - in einer Schlüsselsekunde der Geschichte. Äußerlich auf der Festung in Sicherheit, droht Luthers innerer Konflikt in der erzwungenen Einsamkeit und Untätigkeit außer Kontrolle zu geraten. In der absoluten Isolation, hin- und her gerissen zwischen Angst und Euphorie, versucht er sein Leben und Handeln im Tiefsten zu begreifen. Dabei kämpft Luther den Kampf seines Lebens: den Kampf gegen das Böse, den Teufel, der ihn wieder und wieder heimsucht.

Die Therapie, die er gegen den drohenden Untergang entdeckt, heißt Schreiben. In nur wenigen Monaten vollendet er sein Hauptwerk - die geniale Übersetzung des Neuen Testaments ins Deutsche. Ein Deutsch, das er den Menschen abschaut und mit dem er erstmals die Heilige Schrift dem einfachen Volk zugänglich macht. Während dieser Arbeit entdeckt der Mann, der einst auszog "alles Teuflische auf Erden auszurotten", dass die Freiheit eines Christenmenschen darin besteht, sich selbst als demütigen Knecht der Sache Gottes anzunehmen. Indem er Gott vertraut und die eigene Schwäche akzeptiert, überwindet er seine Ängste und Zweifel und wird frei "allein durch den Glauben". Diese Erkenntnis ermöglicht es Luther, nach zehn Monaten die Riegel der Schutzhaftfestung ein für allemal aufzusprengen und die Wartburg zu verlassen. Der Siegeszug der Reformation beginnt mit der Selbstbefreiung Martin Luthers.