Wer hätte das gedacht: Im frömmigen Gottesstaat Iran können Menschen auf Zeit heiraten, wenn sie das Geld dafür besitzen. Mut'a-Ehe ("Genussehe") wird diese Form der Ehe genannt, sie kann eine halbe Stunde, aber auch ein ganzes Leben dauern. So können die Interessierten drastische Strafen umgehen, denn das iranische Strafgesetzbuch sieht vor, dass außerehelicher Geschlechtsverkehr eines verheirateten Mannes oder einer verheirateten Frau als Ehebruch gilt und mit Steinigung bestraft wird. Und der unerlaubte Geschlechtsverkehr von unverheirateten Männern und Frauen gilt als Unzucht und wird mit 100 Peitschenhieben bestraft. Noch schlimmer wird es für Wiederholungstäter, der mehrmals einen unerlaubten Geschlechtsverkehr gehabt und dafür ausgepeitscht wurde - denn beim vierten Mal wird die Person getötet. Kein Wunder also, dass man das Schlupfloch der Ehe auf Zeit eingerichtet hat, die noch dazu den Staatssäckel füllt.

Die in Ludwigsburg geborene und in Wien und Teheran ausgewachsene Regisseurin Sudabeh Mortezai hat diese Besonderheit im iranischen Recht unter die Lupe genommen und offen mit Betroffenen und Offiziellen gesprochen. So beobachtet und befragt sie etwa eine geschiedene, alleinerziehende Mutter, einen einsamen Junggesellen und einen jungen Mullah. Immer nahe an ihren Protagonisten zeigt sie so ein intimes Bild des heutigen Sexualpolitik der repressiven Islamischen Republik. Kein Wunder, dass Mortezais Werk, dass die Doppelmoral der Mullahs entlarvt, im Iran nicht gezeigt werden darf!



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