Babel, 539 vor Christus: Der junge Prinz Belshazzar kann den Untergang Babels nicht aufhalten, da starrköpfige Großväter an ihren überholten religiösen Ideen festhalten und durch ein Komplott dem Fortschritt Einhalt gebieten. Der Verrat an Jesus und seine Verurteilung durch hypokritische Pharisäer gipfelt in der Kreuzigung. Ein weiteres Massaker menschlicher Geschichte ist das Verbrechen an den Hugenotten in der Bartholomäusnacht im Paris des Jahres 1572: 50000 Protestanten werden ermordet, während sich zu gleicher Zeit ein Liebespaar unwissend auf eine Hochzeit vorbereitet, die nie stattfinden wird. Schließlich zerstören Sozialreformer im modernen Amerika des 20. Jahrhunderts das Leben einer jungen Frau und ihres Geliebten. All diese Daten der Weltgeschichte verbindet eines: das Elend, welches selbstherrliche Herrscher während vieler Jahrhunderte verursachten...

"Ich habe immer gesagt, dass ich Babel wieder aufbauen würde", kommentiert Regisseur und Drehbuchautor Griffith sein Werk "Intolerance". Das erste Monumentalwerk der Filmgeschichte mit einer sagenhaften Länge von dreieinhalb Stunden wird oft als spektakulärster Film aller Zeiten zitiert. Der Stummfilm prangert Vorurteile und Grausamkeiten der Menschheit an und verurteilt über 2000 Jahre menschlicher Missstände. Couragiert ist dabei Griffiths Ziel, Intoleranz und Schwäche zu überwinden und ein neues, positiv besetztes Babel der Gegenwart zu errichten. Revolutionär ist auch das verschachtelte Handlungsmuster von "Intolerance": Die vier Parallelgeschichten werden nicht nacheinander erzählt, sondern immer wieder in Ausschnitten fortgesetzt. Es herrscht ein reger Wechsel zwischen Raum und Zeit, der immer von einem Vers Walt Whitmans flankiert wird: "Out of the cradle, Endlessly rocking" - Aus der Wiege, Unendlich schaukelnd. Die Fertigstellung kostete mehr als zwei Millionen Dollar, eine zu damaliger Zeit astronomische Summe, die die ausführende Produktionsfirma "Triangle Film Corporation" in den Bankrott stürzte.

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