Ein von Urwald eingerahmter Flusslauf im Parana-Delta in Argentinien, nur etwa 30 Kilometer von Buenos Aires entfernt, aber dennoch wie aus einer anderen Welt: In diesem wilden, unnahbaren Labyrinth aus Flüssen und Inseln lebt der durchaus gebildete und homosexuelle Einzelgänger Alvaro, der seinen Lebensunterhalt mit Fischen oder dem Schneiden von Schilf für die Korbflechter fristet. Wie die meisten anderen Bewohner dieses verzaubert wirkenden Fleckchens Erde betrinkt sich Alavaro nach der Arbeit in der einzigen Bar oder trifft seine Nachbarn beim wöchentlichen Fußballspiel. Als eine Junge tot aufgefunden wird, der sich aus Liebeskummer selbst das Leben nahm, eskaliert die Situation. Denn der grobschlächtige Fährmann und Gemeindevorsteher El Turku, der mit seiner Fähre "La León" den einzigen Kontakt zum Festland herstellt, behauptet, die sogenannten Misioneros, die nicht von den Inseln stammten, hätten den Jungen umgebracht...

Der in Frankreich lebende argentinische Regisseur Santiago Otheguy erzählt in seinem Kinofilm-Debüt "La León" die Geschichte eines Außenseiters, der in der fast geschlossenen Gesellschaft der "Isleños" des Parana-Deltas lebt. Bis auf die beiden Hauptrollen mit Laiendarstellern besetzt, gelang Otheguy ein atmosphärisch dichtes Drama, dass vor allem von dem überzeugenden Spiel von Jorge Román in der Rolle des Alvado und den großartigen Schwarzweiß-Cinemascope-Aufnahmen der immer bedrohlich wirkenden Fluss- und Insellandschaft lebt.

Foto: Salzgeber