Im Alltagsleben der beiden Teenager David (Tobey Maguire, Foto mit Joan Allen) und Jennifer stimmt so gut wie nichts. Die Eltern sind geschieden, und die angesagten Typen an der Schule gehen immer mit anderen aus. David flüchtet sich deshalb in die Traumwelt einer alten Soap Opera aus den 50er Jahren: "Pleasantville". In dieser Schwarzweißserie ist die Welt noch in Ordnung. Jeden Tag scheint die Sonne, das Basketballteam verliert nie, in der Schule gibt es nur Einser, und alle miteinander sind freundlich bis zum Abwinken. Eines Abends bekommt David von einem merkwürdigen Fernsehtechniker eine noch merkwürdigere Fernbedienung geschenkt, und als er damit "Pleasantville" einschaltet, verschlägt es ihn und Jennifer geradewegs in die Serie. Umsorgt von einer liebevollen Mami und einem freundlichen Vati erleben sie nun den Terror einer Gesellschaft, in der es keine Brüche gibt. Jennifer ist es als erste leid, zeigt den Jungs, daß ein Rendezvous nicht zwingenderweise mit Händchenhalten vertan werden muss. Und siehe, plötzlich kommen Farbtupfer in die triste Welt. Ein tumber Gastronom entdeckt die Kunst, und die brave TV-Mami verliebt sich in ihn. Doch das ist den Herrschenden in der Stadt ein Dorn im Auge. Bürgermeister Big Bob sieht seine Welt im Wanken. Zusammen mit den anderen Schwarzweißgebliebenen geht er zum Gegenangriff über...

Das Regie-Debüt von Gary Ross ist ein in jeder Hinsicht erstaunlicher Film. Was eine durchschnittlich bescheuerte Klamotte hätte werden können, wird zur hochintelligenten Reflexion darüber, was eigentlich das Leben lebenswert macht. Ross geht dabei nicht den bequemsten Weg, sagt nicht: Hey, Kids, Sex and Drugs and Rock-'n'-Roll sind es! Neben dem Spaß haben Kunst und Literatur eine wesentliche Funktion, weil sie beunruhigen und aus der Lethargie reißen. Im letzten Drittel wird der Film, der als Komödie beginnt, zeitweise sehr ernst, wenn die Aktionen der unverbesserlichen Schwarzweißen mit Bücherverbrennungen und Hinweisschildern "Keine Farbigen erlaubt" eindeutig faschistische Dimensionen annehmen. So ist "Pleasantville" weniger ein Film über die Medien und ihre Traumwelt, sondern eine wichtige und kluge Lektion in Sachen Demokratie und Toleranz. Auch das Auge kommt nicht zu kurz: Gary Ross gelingen in der perfekten Verbindung von Farbe und Schwarzweiß eine ganze Reihe wunderbarer poetischer Momente, die manchmal haarscharf am Kitsch vorbeischrammen (der rosa Regen aus Blütenblättern), optisch aber immer atemberaubend sind. Der Film wurde in den Kategorien Ausstattung, Kostüme und Musik für den Oscar nominiert. Trauriges am Rande: Dies ist der letzte Auftritt des vielbeschäftigten Schurkendarstellers J. T. Walsh, der im Februar 1998 im Alter von nur 54 Jahren an Herzversagen starb.

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