Haben Sie nachmittags auch immer das Bedürfnis nach ein oder zwei Tassen Kaffee? Diese Gewohnheit resultiert aus dem Biorhythmus des Menschen: Zur Mittagszeit lässt die Konzentration nach, die Müdigkeit nimmt zu – das sprichwörtliche Mittagstief schlägt zu. Nur wenige Berufstätige haben allerdings den Luxus, sich mittags schlafen legen zu können.

Allerdings würde schon ein kleines Nickerchen reichen. Wie erholsam ein Mittagsschlaf ist, hängt nämlich nicht proportional mit dessen Länge zusammen: Wer mittags viel länger als eine halbe Stunde (Richtwert) schläft, begibt sich in die Tiefschlafphase und fühlt sich nach dem Wecken oft müder als vor dem Schlafen, unter anderem weil der Blutdruck gesunken ist. Für eine wirksame Erholung bedarf es nur eines kurzen Nickerchens, das in der Arbeitswelt unter dem Begriff Powernap (power = Kraft, nap = Nickerchen) bekannt ist.

Untersuchungen haben bewiesen, dass Powernappen trotz der kurzen Dauer beachtliche gesundheitliche Effekte hat: Die Konzentrations-, Leistungs- und Reaktionsfähigkeit steigt um ein Vielfaches, man fühlt sich erholt und hat infolgedessen bessere Laune. Auch die langfristigen Wirkungen sind erstaunlich: Das Herzinfarktrisiko sinkt, erholte Menschen haben weniger Appetit auf fettige und süße Nahrungsmittel und können daher bei Bedarf ihr Gewicht leichter reduzieren.

In der asiatischen Arbeitswelt hat sich das Powernapping in vielen Firmen schon lange etabliert. Mitarbeiter, die nach dem Mittagessen mit dem Kopf zwischen den Armen auf dem Schreibtisch liegen, sind dort kein ungewöhnlicher Anblick. In Deutschland wird Powernapping nur in wenigen Firmen toleriert und praktiziert. Zu tief sind die preußischen Arbeitstugenden Fleiß und Disziplin in unseren Köpfen verwurzelt. Viele Arbeitgeber fürchten, dass Schlaf am Arbeitsplatz zu Faulheit verführt und die Arbeitsmoral der Mitarbeiter beeinträchtigt. Dabei sind die positiven Effekte viel größer.