maischberger - Richard David Precht über die Meinungsfreiheit in Deutschland
Di., 14.10. • 18 Min.
Bild: ARD
Wie frei ist unsere Meinungsfreiheit wirklich? Und warum trauen sich viele Menschen heute nicht mehr, offen zu sagen, was sie denken? Der Philosoph Richard David Precht spricht bei maischberger über die veränderte Debattenkultur in Deutschland. Nicht neue Gesetze, sondern die gewachsenen sozialen Kosten des Äußerns hätten den Meinungsraum verengt. Menschen würden gesellschaftliche Ächtung oder berufliche Nachteile fürchten, wenn sie von der Mehrheitsmeinung abwichen. Er unterscheidet zwischen Meinungsfreiheit und Meinungstoleranz: Während die rechtliche Freiheit weiter bestehe, sei die gesellschaftliche Toleranz stark geschrumpft.
Im Gespräch geht es außerdem um seine Familie, die frühe Prägung durch den Vietnamkrieg und die linke Haltung seiner Eltern. Precht spricht über seine Enttäuschung von den Grünen, seine Skepsis gegenüber den USA und seine Einschätzung, dass Politiker heute kaum noch Handlungsspielräume haben. Visionen und Versprechen würden bestraft und Social-Media-Selbstdarstellung ersetze politische Substanz. Das sei ein Symptom für eine Gesellschaft, die den offenen Diskurs zunehmend meide.