Wem ging nicht schon einmal durch den Kopf, wie das wohl wäre, wenn man einfach in ein fernes Land auswandern würde? Ganz weit weg, dorthin, wo alles anders ist – viel besser und viel schöner. – Der 4-Teiler "Goodbye Ländle" porträtiert Menschen aus Baden-Württemberg, die den Entschluss gefasst haben, es zu tun – auswandern aus dem Ländle. Mit ihrem ganzen Knowhow, ihren Träumen und Sehnsüchten von einem anderen Leben, haben sie einen großen Schritt gewagt und sich auf einen Neuanfang eingelassen. Wie geht es dem Biobäcker in Lima, den Rinderfarmern in Namibia oder dem Sternekoch und seiner Frau in Südafrika? Alle waren mutig, neugierig, abenteuerlustig und haben tatsächlich die neue Heimat in der Fremde gefunden. Wir schauen mit ihnen zurück und nach vorn in die weitere Zukunft.
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Ein Duftdesigner in New York – Von Backnang nach Manhattan
"Warum haben wir das nicht schon viel früher gemacht?" fragen sich Susanne und Jürgen Schneider, als sie in Südafrika auf Ihrer Baustelle stehen. Dreizehn Jahre haben der Gourmetkoch und die Weinakademikerin den "Strahlenberger Hof" in Schriesheim geführt – die kulinarische Adresse in der Rhein-Neckar-Region. Zum Jahreswechsel 2012/ 2013 wurde in Schriesheim zum letzten Mal gekocht und ein riesiges Abschiedsfest für die Freunde gefeiert. Der Sternekoch und die Restaurantchefin des "Strahlenberger Hofs" packten Kücheneinrichtung, Gläser, Besteck, Tischwäsche und jede Menge Ideen ein und wagten den Sprung an die Süd-Spitze Afrikas. Damit waren sie das erste Sternerestaurant, das den Kontinent wechselte ...
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Ein Sternerestaurant wandert aus – Von Schriesheim nach Südafrika
Ihre neue Heimat liegt jetzt an der Südwestküste Südafrikas, etwa zwei Autostunden von Kapstadt entfernt. Hier wollen die Beiden einheimische Feinschmecker überraschen, hier wollen sie nochmal Gas geben. Seit drei Monaten sind die Schneiders jetzt auf ihrer Farm "Springfontein". Das Restaurant, ein 200 Jahre altes Farmhaus, wird gerade umgebaut. Jeder Tag ist für die Beiden immer wieder ein großes Abenteuer. Gekocht hat Jürgen Schneider seit Silvester 2012/ 2013 nicht mehr. Bis zur Restaurant-Eröffnung ist er Bauarbeiter und Farmer. Der Plan: In absehbarer Zeit sollen auf "Springfontein", wo auch hervorragende Weine gemacht werden, wieder Gäste mit regionalen Produkten verwöhnt werden …
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Ein Biobäcker in Peru – Von Ulm nach Lima
2008 wanderte der Ulmer Bäcker Nobert Bloch nach Peru aus - genauer gesagt in die Hauptstadt des Landes: nach Lima. Dort gründete er eine deutsche Bäckerei und hatte Glück. Denn die Menschen in Lima rissen ihm Schneckennudeln und Brezeln förmlich aus der Hand. "Wir waren damals die erste Bio-Bäckerei in Peru", sagt Bloch heute stolz. "Das war offensichtlich eine Marktlücke und meine Chance." Sein Geschäft läuft bis heute super. Als er noch in Ulm lebte, lief Blochs Leben gar nicht rund. Da war er Backstubenleiter in einer großen Ulmer Biobäckerei und immer im Stress. Dazu kamen Probleme in der Ehe. Irgendwann wurde es zu viel. Bloch brach zusammen – Diagnose: Burn Out! Als er aus dem Krankenhaus entlassen wurde, hatte er nur noch ein Ziel: "Bloß weg von hier!". Er kaufte sich ein One-Way-Ticket nach Lima, kroch erst einmal bei Freunden unter und gründete die Bio-Bäckerei.
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Rinderfarmer in Afrika – Von Südbaden nach Namibia
Mit Ende 40 wagten Angelika und Eugen Gehr noch einmal den ganz großen Schritt. Sie gaben ihr gut gehendes Hotel und Restaurant in Südbaden auf und wanderten nach Namibia aus. In das afrikanische Land waren sie viele Jahre immer wieder in Urlaub gefahren. Immer kamen sie begeistert zurück und dachten: dort könnten wir auch leben. Vor 13 Jahren fassten sie dann den Entschluss und wanderten aus. Heute besitzt das Paar eine große Rinderfarm nördlich von Windhoek. Nebenher brennen die Gehrs noch Schnaps und verkaufen ihn erfolgreich in ganz Namibia. Dabei ist das Ehepaar äußerst kreativ und erfolgreich. Selbst aus Kaktusfeigen und Zitronen fabrizieren sie mittlerweile ihren Klaren und verkaufen ihn an Hotels und Lodges im Land. Das Fleisch, das sie produzieren, wird sogar als Bio-Fleisch nach Europa exportiert. "In Namibia haben wir unser Glück gemacht", sagen die Gehrs heute.