VORSTADT-PUSSYS ist ein wuchtiges Coming-of-age-Drama über drei junge Frauen im Chaos des Erwachsenwerdens. Als eine von ihnen ein Video veröffentlicht, um einen sexuellen Übergriff gegen eine Freundin offenzulegen, wirkt der Schritt zugleich wie Solidarität und wie ein Affront. Der Film geht mit der Wucht einer klaren Haltung vor, ohne Wut und Schmerz zu glätten. Was Gewalt sichtbar machen soll, zerreißt bald die Gruppe. Je weiter das Video zirkuliert, desto mehr Reaktionen prasseln auf die Mädchen ein, und sie geraten zwischen Schule, Familie und einer Öffentlichkeit, die kommentiert, aber nicht zuhört. Im Zentrum stehen die inneren Erschütterungen: Angst, Scham, Zorn und der Wille, trotz allem zusammenzubleiben. VORSTADT-PUSSYS verknüpft sexuelle Gewalt, Migration und Klassenunterschiede mit dem Alltag des Heranwachsens. Soziale Medien werden dabei zum Ersatz für Zuhören; Likes steigen, während Urteile sich zu Parolen und Vorwürfen verhärten. Digitale Welt, Straße und Klassenzimmer verschmelzen zu einem gemeinsamen Raum des Konflikts und der Selbstbehauptung. Zehn Jahre lang entwickelt, erhielt der Film bei seiner Deutschlandpremiere in Heidelberg stehenden Applaus. Nora El Hourch arbeitet mit kräftigen Farben, Handkamera und schnellen Schnitten und erzeugt so einen Rhythmus nahe dem Musikvideo, bleibt dabei aber konsequent bei den jungen Frauen. VORSTADT-PUSSYS bleibt als scharfes Porträt von Freundschaft, Widerstand und Sichtbarkeit im Gedächtnis. Ein Film, den man aufmerksam entdecken sollte.