Die ungewöhnlichsten Liebesgeschichten zum Valentinstag

06.02.2026
Ein Hoch auf die Zweisamkeit! Valentinstag heißt: überall Paare, überall Versprechen von ewiger Liebe. Dabei erzählen gerade viele Liebesfilme etwas ganz anderes: dass Liebe selten planbar ist, fast nie perfekt verläuft und oft erst dann entsteht, wenn Menschen bei sich selbst ankommen. Diese Geschichten machen keinen Druck, sondern zeigen Nähe, Zufall, Umwege und zweite Chancen.
Die ungewöhnlichsten Liebesgeschichten zum Valentinstag
Someone Great  Fotoquelle: Walter Thomson

Tatsächlich... Liebe (UK, 2003)

Dieser Klassiker verwebt zahlreiche Liebesgeschichten zu einem romantischen Mosaik aus Nähe, Chaos und großen Gesten. Hugh Grant als unbeholfener Premierminister, Emma Thompson als verletzte Ehefrau, Colin Firth als schüchterner Schriftsteller oder Keira Knightley in einer ihrer ersten großen Rollen stehen für Figuren, die Liebe nicht beherrschen, sondern an ihr scheitern, wachsen oder schlicht überrascht werden. Der Film feiert genau diese Unordnung: Liebe ist hier selten elegant, oft peinlich und fast immer unpraktisch – aber allgegenwärtig und zutiefst menschlich.

Gut zu wissen:

  • Regisseur und Autor Richard Curtis (Notting Hill, About Time) prägt mit Love Actually seine Handschrift: große Gefühle, kleine Gesten und bewusstes Erzählen jenseits realistischer Beziehungslogik.
  • Das Ensemble kombiniert etablierte britische Stars wie Hugh Grant, Emma Thompson, Alan Rickman und Liam Neeson mit damals noch jungen Schauspielern wie Keira Knightley, ein wichtiger Baustein für den langfristigen Kultstatus.
  • Auf wiederkehrende Kritik an einzelnen Handlungssträngen reagierte Curtis gelassen: „Lieber mache ich einen Film, den die meisten Zuschauer mögen und einige Kritiker nicht, anstatt einen Film den die Kritiker mögen, aber keiner sehen mag.“ Eine Haltung, die erklärt, warum Love Actually bis heute diskutiert – und trotzdem jedes Jahr wieder geschaut wird.

Alles eine Frage der Zeit (UK, 2013)

Die Geschichte erzählt auf den ersten Blick eine romantische Fantasie über Zeitreisen, nutzt dieses erzählerische Mittel aber vor allem, um den Blick auf Nähe, Verlust und Alltäglichkeit zu schärfen. Domhnall Gleeson spielt einen jungen Mann, der lernen muss, dass Liebe nicht dadurch besser wird, dass man sie perfektioniert, sondern dass sie im Unvollkommenen wächst. Rachel McAdams gibt seiner Partnerin eine ruhige Selbstverständlichkeit, die dem Film Erdung verleiht und ihn vor Kitsch bewahrt. About Time ist weniger klassische Romcom als warmherzige Erinnerung daran, dass Glück nicht geplant werden kann – sondern im bewussten Erleben der kleinen Momente entsteht.

Gut zu wissen:

  • Auch hier führte Richard Curtis Regie und baute viele autobiografische Elemente ein, insbesondere die Vater-Sohn-Beziehung, gespielt von Bill Nighy.
  • Die Zeitreise-Idee dient nicht der Spannung, sondern als erzählerisches Werkzeug, um Alltagsentscheidungen emotional sichtbar zu machen.
  • Curtis selbst bezeichnete den Film in Interviews als seinen persönlichsten – und als bewusste Abkehr von der reinen romantischen Komödie hin zu einer Geschichte über Lebenszeit und Vergänglichkeit.

Notting Hill (UK, 1999)

Was wie ein klassisches Märchen beginnt, entwickelt sich zu einer Liebesgeschichte über Ungleichgewichte, Öffentlichkeit und die Angst, nicht zu genügen. Hugh Grant spielt den schüchternen Buchhändler William Thacker mit jener Mischung aus Selbstironie und Verletzlichkeit, die seine Romcom-Rollen geprägt hat, während Julia Roberts als weltberühmter Filmstar die Kehrseite von Ruhm und Projektion sichtbar macht. Notting Hill lebt davon, dass Liebe hier nicht als glamouröse Erlösung erzählt wird, sondern als Entscheidung, sich trotz Machtgefälle und Unsicherheit aufeinander einzulassen. Gerade diese Bodenständigkeit macht den Film bis heute so anschlussfähig.

Gut zu wissen:

  • Regie führte Roger Michell, das Drehbuch stammt von Richard Curtis – die Kombination prägt Ton und Humor des Films entscheidend.
  • Julia Roberts’ berühmter Satz „I’m just a girl, standing in front of a boy…“ wurde zu einer der meistzitierten Liebesfilmzeilen der 1990er-Jahre.
  • Der reale Londoner Stadtteil Notting Hill entwickelte sich nach dem Film zum internationalen Romcom-Schauplatz – inklusive Buchladen-Tourismus, obwohl das Originalgeschäft nie existierte.

Someone Great (USA, 2019)

Diese Liebesgeschichte beginnt dort, wo viele romantische Filme enden: nach der Trennung. Someone Great erzählt vom Schmerz des Loslassens, aber auch von der Kraft von Freundschaft und Selbstbehauptung, wenn ein Lebensentwurf plötzlich wegbricht. Gina Rodriguez spielt eine junge Frau, die zwischen beruflichem Aufbruch und emotionalem Abschied lernen muss, dass Liebe nicht nur im Festhalten besteht. Der Film macht Mut, weil er Verlust nicht als Scheitern erzählt, sondern als notwendige Bewegung nach vorn.

Gut zu wissen:

  • Regisseurin und Autorin Jennifer Kaytin Robinson schrieb das Drehbuch inspiriert von einer eigenen Trennung nach einer langjährigen Beziehung.
  • Der Film rückt weibliche Freundschaft bewusst ins Zentrum und bricht damit mit der klassischen Romcom-Dramaturgie.
  • Taylor Swifts Song „Death by a Thousand Cuts“ entstand laut Swift direkt unter dem Eindruck des Films.

Plus One (USA, 2019)

Zwei langjährige Freunde beschließen, sich als Singles gegenseitig durch eine endlose Hochzeitssaison zu begleiten – und merken dabei langsam, dass sich ihre Beziehung verändert. Maya Erskine und Jack Quaid spielen dieses Duo mit viel Selbstironie und emotionaler Offenheit, ohne die Figuren zu idealisieren. Plus One erzählt von Nähe auf Augenhöhe und davon, wie schwer es manchmal ist, eine Freundschaft neu zu definieren, wenn plötzlich Gefühle ins Spiel kommen.

Gut zu wissen:

  • Der Film wurde von Jeff Chan und Andrew Rhymer geschrieben und inszeniert, die auch privat ein Paar sind.
  • Die Hochzeiten dienen weniger als romantische Kulisse, sondern als sozialer Druckraum für Singles.
  • Der Ton bleibt bewusst unspektakulär und dialoggetrieben – ein Gegenentwurf zur lauten Romcom.

Palm Springs (USA, 2020)

Eine Hochzeitsfeier in der kalifornischen Wüste, ein lauer Abend, zu viel Alkohol – und plötzlich steckt man gemeinsam in einem Tag fest, der sich endlos wiederholt. Andy Samberg spielt einen Mann, der sich längst im Stillstand eingerichtet hat, Cristin Milioti eine Frau, die sich genau dagegen wehrt. Aus beiläufigem Flirt wird eine Liebesgeschichte, die überraschend viel über Verantwortung, Nähe und emotionale Ehrlichkeit erzählt. Palm Springs ist leicht, schnell und dabei klüger, als sein absurdes Ausgangsszenario vermuten lässt – ein Film, der zeigt, dass Liebe manchmal genau dort beginnt, wo man aufhört, auf Veränderung zu hoffen.

Gut zu wissen:

  • Der Film verbindet klassische Romcom-Elemente mit einem Sci-Fi-Twist und bricht bewusst mit Erwartungshaltungen.
  • Andy Samberg nutzt hier erstmals konsequent eine ruhigere, verletzlichere Rolle abseits reiner Comedy.
  • Cristin Miliotis Figur wurde von Beginn an als eigenständige Erzählinstanz konzipiert – inklusive eigener Entscheidungen und Konsequenzen.

The Big Sick (USA, 2017)

Was als lockerer Stand-up-Flirt beginnt, entwickelt sich zu einer Liebesgeschichte, die unerwartet ernst wird. Kumail Nanjiani spielt eine leicht verfremdete Version seiner selbst: einen Comedian, der zwischen kulturellen Erwartungen, familiärem Druck und echten Gefühlen navigiert. Als Emily (Zoe Kazan) plötzlich schwer erkrankt, rückt die romantische Komödie in den Hintergrund und macht Platz für etwas Seltenes: eine Geschichte über Geduld, Unsicherheit und das langsame Entstehen von Vertrauen. The Big Sick ist witzig, warmherzig und erstaunlich erwachsen – und gerade deshalb so tröstlich für alle, die Liebe nicht als Selbstläufer erleben.

Gut zu wissen:

  • Der Film basiert auf der realen Liebesgeschichte von Kumail Nanjiani und Emily V. Gordon, die gemeinsam das Drehbuch schrieben.
  • Humor entsteht hier nicht aus Missverständnissen, sondern aus ehrlicher Selbstbeobachtung und kulturellen Reibungen.
  • Bei den Oscars 2018 wurde das Drehbuch für den Preis in der Kategorie „Bestes Originaldrehbuch“ nominiert.

Juliet, Naked (USA/UK, 2018)

Ein verregneter Küstenort, ein vergessener Musiker und eine unerwartete E-Mail – Juliet, Naked erzählt eine Liebesgeschichte, die leise beginnt und sich langsam entfaltet. Ethan Hawke spielt einen einst verehrten Songwriter, dessen Mythos längst bröckelt. Rose Byrne als Frau in einer festgefahrenen Beziehung findet den Mut, sich neu zu sortieren. Der Film liebt seine Figuren für ihre Unvollkommenheit und zeigt, dass Nähe manchmal erst möglich wird, wenn alte Projektionen losgelassen werden. Eine Romanze für alle, die nicht mehr an große Gesten glauben, sondern an ehrliche Gespräche.

Gut zu wissen:

  • Der Film basiert auf dem gleichnamigen Roman von Nick Hornby, der für seine lebensnahen Liebesgeschichten bekannt ist.
  • Ethan Hawke nutzt hier bewusst das Image des gescheiterten Genies und bricht es humorvoll.
  • Musik fungiert weniger als Soundtrack, sondern als Spiegel vergangener Lebensentscheidungen.

Modern Love (USA, 2019–2021)

Jede Episode von Modern Love erzählt eine eigene Liebesgeschichte – mal romantisch, mal freundschaftlich, mal schmerzhaft ehrlich. Die Serie zeigt Großstadtliebe ohne Glamour, dafür mit viel emotionaler Präzision: Beziehungen entstehen, scheitern, verändern sich. Bekannte Schauspielerinnen und Schauspieler wie Anne Hathaway, Dev Patel oder Tina Fey geben diesen Miniaturen Gewicht, ohne ihnen die Alltäglichkeit zu nehmen. Modern Love ist weniger Eskapismus als Einladung, die eigenen Beziehungen mit etwas mehr Nachsicht zu betrachten.

Gut zu wissen:

  • Die Serie basiert auf der gleichnamigen Kolumne der New York Times, in der echte Leser ihre persönlichen Liebesgeschichten schildern.
  • Jede Folge wird von einem anderen Regieteam inszeniert, was den wechselnden Ton und Stil bewusst verstärkt.
  • Besonders gelobt wurde Anne Hathaways Episode über psychische Erkrankungen, weil sie Romantik und Realität ungewöhnlich fein austariert.

Love Life (USA, 2020–2021)

Love Life erzählt Liebe nicht als Ziel, sondern als Weg. Jede Staffel folgt einer einzelnen Person durch Beziehungen, Fehlentscheidungen, kurze Hoffnungen und lange Zweifel – vom ersten Date bis zur letzten großen Liebe. Anna Kendrick und später William Jackson Harper tragen die Serie mit Figuren, die selten wissen, was sie tun, aber spürbar versuchen, ehrlich zu bleiben. Der Reiz von Love Life liegt darin, dass hier nicht die eine Beziehung im Zentrum steht, sondern all die Menschen, die uns auf dem Weg zu ihr prägen – manchmal nur für einen Sommer, manchmal für ein Leben.

Gut zu wissen:

  • Die Serie wurde als Anthologie konzipiert: Jede Staffel erzählt eine abgeschlossene Liebesbiografie aus einer Perspektive.
  • Erzählt wird aus der Zukunft heraus – kleine Kommentare und Rückblicke geben den Beziehungen im Nachhinein Gewicht und Ironie.
  • Viele Nebenfiguren basieren lose auf realen Beziehungstypen und machen die Serie besonders anschlussfähig für ein erwachsenes Publikum.

Eat Pray Love (USA, 2010)

Nach einer schmerzhaften Trennung beschließt eine Frau, ihr Leben radikal neu zu sortieren – und reist allein durch Italien, Indien und Indonesien. Julia Roberts spielt diese Suche nach Sinn und Nähe ohne Ironie, aber mit spürbarer Verletzlichkeit. Eat Pray Love ist keine klassische Liebesgeschichte, sondern eine über Selbstzuwendung: Erst wer lernt, sich selbst ernst zu nehmen, kann wieder offen für Nähe werden. Gerade für Singles am Valentinstag liegt darin der Trost dieses Films – Liebe beginnt hier nicht bei jemand anderem.

Gut zu wissen:

  • Der Film basiert auf dem autobiografischen Bestseller von Elizabeth Gilbert.
  • Gedreht wurde an Originalschauplätzen, die bewusst als emotionale Räume eingesetzt werden, nicht als Postkartenkulisse.
  • Die Romanze tritt lange in den Hintergrund und macht Platz für ein selten erzähltes Thema: Glück ohne Beziehung.

Before Sunrise – Zwischenstopp in Wien (USA/Österreich, 1995)

Zwei Fremde steigen in Wien aus einem Zug und verbringen eine Nacht miteinander, ohne zu wissen, ob sie sich je wiedersehen. Ethan Hawke und Julie Delpy tragen den Film fast ausschließlich über Gespräche, Blicke und Pausen. Before Sunrise verzichtet auf Drama, Plot und große Gesten – und wirkt gerade deshalb so intensiv. Als Schlusspunkt dieser Liste erinnert der Film daran, dass Liebe manchmal nur ein Moment ist, der trotzdem ein Leben lang nachhallt.

Gut zu wissen:

  • Regisseur Richard Linklater arbeitete stark improvisationsnah und ließ viele Dialoge gemeinsam mit den Hauptdarstellern entstehen.
  • Der Film wurde später mit zwei Fortsetzungen weitergeführt, die die Figuren in unterschiedlichen Lebensphasen zeigen.
  • Before Sunrise gilt heute als einer der einflussreichsten Dialogfilme über Liebe und Nähe.