30. April 1945: Berlin und das "Dritte Reich" fallen. Die Russen sind auf dem Vormarsch. Dessen ungeachtet feiert die Führungsriege um Adolf Hitler (Udo Kier, Foto) im Führerbunker ausgelassen Weihnachten. Man begeht Inzest, schmiedet Intrigen und gibt sich ganz dem Wahnsinn hin, als würden die Geschehnisse draußen niemanden etwas angehen. Als das unabwendbare Ende immer näher rückt, begeht Hitler Selbstmord. Die übrigen Anwesenden sind fassungs- und für kurze Zeit auch führerlos. Bis Eva Braun sich selbst zum neuen Führer ernennt und Martha Göbbels heiratet. Als diese sich ebenfalls das Leben nimmt, flieht die Führerin zusammen mit Hermann Göring in einem Schlauchboot über die Spree ...

"100 Jahre Adolf Hitler - Die letzten Stunden im Führerbunker" war 1989 das erste Werk der so genannten Deutschland-Trilogie von Christoph Schlingensief, die sicher nicht jedermanns Heschmack trifft. Denn einmal mehr machte der Regie-Wüterich der deutschen Underground-Szene vor nichts halt, der Verlauf der Geschichte spielt bei ihm keine Rolle, ohne Berührungsängste drehte er in 16 Stunden in expressionistischen Schwarzweiß-Bildern einen absurden wie subversiven Reigen, der zu großen Teilen improvisiert ist. Da sieht man schon einmal eine Klappe oder das Mikro im Bild, die Protagonisten, die der Lächerlichkeit preisgegeben werden, bedienen sich gröbster Sprache, sexuelle Exzesse sind an der Tagesordnung. Ein denkwürdiges Spektakel, das sich bewusst von einschlägigen politisch-korrekten Fernseh- und Kinoproduktionen (man denke nur an das viel später entstandene Kriegsdrama "Der Untergang") unterscheidet und sich nicht der gängigen filmischen Mittel bedient. Die oben bereits erwähnte Trilogie vervollständigte Schlingensief später mit der trashigen Komödie "Das deutsche Kettensägenmassaker" (1990) und "Terror 2000 - Intensivstation Deutschland" (1992).

Foto: ZDF/Voxi Bärenklau