1998 wird die 10-jährige Natascha Kampusch auf dem Weg zur Schule entführt. Der Entführer, der arbeitslose Nachrichtentechniker Wolfgang Priklopil, sperrt das Mädchen in ein speziell dafür gebautes unterirdisches Verlies. Für Natascha beginnt ein jahrelanges Martyrium, beseelt von dem Gedanken an Flucht. Doch sie muss ihrem Peiniger gefügig sein – auch sexuell, nachdem sie das entsprechende Alter erreicht hat. Erst nach über acht Jahren gelingt Natascha die Flucht, weil sie das Vertrauen von Priklopil erschleichen konnte ...

Man darf sich natürlich Fragen, wer sich diese allseits bekannte und medial extrem ausgeschlachtete Geschichte noch ansehen soll. Doch immerhin gelang es der Regisseurin Sherry Hormann trotz des zwangsläufig voyeuristischen Grundtenors, die Leidensgeschichte des Mädchens bzw. der jungen Frau intensiv, aber nicht explizit deutlich zu machen. Als Vorlage diente das Buch von Natascha Kampusch sowie die unvollendete Drehbuchfassung von Bernd Eichinger. Ob sich dies alles tatsächlich so zugetragen hat wird u.a. vom Vater der Entführten bezweifelt. Starke Darsteller und die exzellente Kameraarbeit von Michael Ballhaus – seit Oktober 2011 mit der Regisseurin verheiratet - machen diese von der ARD koproduzierte Leinwandadaption der Gefangenschaft der Kampusch immerhin zu einer Ausnahme in der tristen Gegenwart des Deutschen Films.



Foto: Constantin