Tscheljabinsk im Ural: In einem Heim für jugendliche Straftäter sitzen 120 Jungs zwischen elf und 16 Jahren ein. Sie sind ausgerissen, haben geklaut, geschlagen, getötet. Zum Zeitpunkt ihrer Straftaten waren die Knaben jünger als 14 Jahre. Nun sitzen sie in dieser geschlossenen Anstalt im Ural ein, erlebten bereits viele Schattenseiten des Lebens. Sie sind am Rande der russischen Gesellschaft aufgewachsen, in einem Milieu, das von Arbeitslosigkeit, Obdachlosigkeit, Alkoholismus, Gewalt und Verwahrlosung geprägt ist. Sie haben Verbrechen begangen, die von Diebstahl über Vergewaltigung bis hin zu mehrfachem Mord reichen. Trotz ihrer scheinbar lakonischen Schilderungen ihrer Taten und ihrem coolen Gehabe, gibt es immer wieder Augenblicke, in denen das Kind in ihnen durchscheint.

Regisseurin Alexandra Westmeier, die selbst aus Tscheljabinsk stammt und seit 2001 in Deutschland lebt, drehte bereits 2007 die TV-Reportage "Mama, mir geht es gut" über das geschlossene Jugendheim. Für "Allein in vier Wänden" reiste Westmeier, die das Vertrauen der Anstaltsleitung und der jungen Straftäter genießt, erneut in den fernen Ural. Stellvertretend für viele der jungen Straftäter erzählt sie hier die Geschichte eines 15-jährigen Mörders, der bald entlassen werden soll. Ohne Kommentar zeigt sie den streng geregelten Tagesablauf der Jugendlichen, lässt sie frei vor der Kamera sprechen, ohne aufdringlich zu wirken. Darüber hinaus besuchte Westmeier Angehörige der jungen Täter, die sie ebenso zu Wort kommen lässt. Heraus gekommen ist ein faszinierender, bereits mehrfach preisgekrönter Dokumentarfilm (unter anderem den Max Ophüls-Preis) über eine verlorene Generation, der sich nach der Entlassung kaum Hoffnung auf ein besseres Leben bietet, denn fast 90 Prozent der Jungen werden rückfällig.

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