Bilder aus einem Berliner Krankenhaus: Visite, ärztlicher Rundgang, Anamnese oder die Erfragung eines Krankenbildes sind hier Alltag. Fernab von Eildiagnosen wiegen die Ärzte in der neurologischen Abteilung ab, ihr Befund scheint unklar; Zustände werden entschlüsselt, dann aber in eine medizinische "Geheimsprache" übersetzt.

Der ehemalige Arzt und Regisseur Stefan Landorf ("Besprechung") beschreibt in seinem Dokumentarfilm den Krankenhausalltag als riesige Logistikmaschine. Sein Unbehagen an den sich mechanisch wiederholenden Abläufen des Apparats beschreibt er mit folgenden Worten: "1992 verließ ich die Klinik, um der Routine zu entgehen, die das System von mir verlangte, eine Parallelwelt, bestehend aus Blutentnahme, Morgenbesprechung, Visiten, Patientenaufnahmen und -entlassungen, endlosen Diktaten, für Nicht-Mediziner in der Regel als Betroffene der Wahrnehmung entzogen. 7,5 Jahre Rollentraining wollten sich bei mir nicht auszahlen. Weder war es mir gelungen, den wohlwollenden Rat eines Chefarztes zu befolgen, das Ganze doch bitte nicht so ernst zu nehmen, noch wollte sich die Patientenaufforderung 'Na, Sie sind doch der Arzt!' vollständig auf mein Handeln auswirken. Später, als Dokumentarfilmstudent, veränderte sich mein Blick zu neugieriger Distanz. 1999 bis jetzt habe ich die Klinik wieder aufgesucht. Als Abschlussfilm und Diplomprüfung für die neu gewonnene Wahrnehmung sollte er es schaffen, zwischen beiden Blickpunkten in einer für viele verständlichen Filmsprache zu vermitteln. Während ich bei den Dreharbeiten die Filmemacherperspektive nicht verließ, hatte mich beim Schnitt relativ schnell das Gefühl von 1992 wieder eingeholt. So könnte die Perspektive des Films doch in aller Neutralität 'möglicherweise der Albtraum eines Jungmediziners an der Schwelle zur Routine' (Boris Schaafgans) geworden sein." Allerdings fragt man sich, wer sich den Dokumentarfilm, der seit 2004 mehrfach im TV lief, im Kino anschauen soll!



Foto: Arsenal Institut