Autos, so sagte ein russischer Dichter, seien nichts für ein Volk, das dem Wodka und der Melancholie verfallen ist. Weit gefehlt, denn Mitte der Sechzigerjahre beschloss die damalige Regierung der UdSSR den Bau einer staatseigenen Automobilfabrik. Als westlichen Partner konnte man den italienischen Automobilkonzern Fiat gewinnen, mit dessen Knowhow der Siegeszug der russischen Automarke Lada begann. Auf deutsch "Geliebte", bestimmt das erste Modell, das auf dem Fiatmodell 124 beruhte, noch heute das Bild auf Russlands Straßen. Auch Murad, ein heimwehkranker kaukasischer Taxifahrer in Moskau, fährt täglich mit seiner "Geliebten". 4000 Kilometer weiter nördlich, am verschneiten Ende der Welt wohnen Maxim und Tatjana, die vor Jahrzehnten einen Lada zur Hochzeit bekommen haben. Oder schließlich Michail, ein einsamer alter Mann, der mit seinem Hund und seiner "besseren Hälfte Lada" in der Taiga wohnt ...

Der aus Wuppertal stammende Autor und Filmemacher Andreas Maus hat sich im heutigen Russland umgesehen und erzählt in seinem ungewöhnlichen Dokumentarfilm die Geschichte eines ungewöhnlichen Autos und seiner ebenso ungewöhnlichen Besitzer. Einst nicht nur in Russland sondern im ganzen Ostblock ein Statussymbol, werden die Jahrzehnte alten Automobile nach der Öffnung des Ostblocks heute vorwiegend von Menschen gesteuert, die von den Veränderungen der letzten Jahre an den Rand der Gesellschaft gespült worden sind. Einfühlsam inszeniert, ist Maus eine poetische Hommage an ein Auto und seine Besitzer gelungen, die zeigt, dass das moderne Russland eben nicht nur aus Milliardären besteht, die Moskau mit ihren Ferraris und Bugattis unsicher machen. Für den italienischen Fiat-Konzern, der im Gegenzug ab Anfang der Siebzigerjahre seine Fahrzeuge aus russischem Stahl fertigte, hatte die Geschäftsverbindung in den Osten eher negative Auswirkungen. Da der Stahl minderwertig war, rosteten die damaligen Fiat-Modelle schon nach wenigen Monaten vor sich hin und brachten dem Konzern seinerzeit den Ruf ein, lediglich Rostlauben zu produzieren.



Foto: Hanfgarn & Ufer Filmproduktion