Der Experimentalspielfilm "Bartleby" basiert auf Melvilles rätselhafter Kulterzählung von 1853, "Bartleby, der Schreiber. Eine Geschichte der Wallstreet". Ein erfolgreicher und etablierter Wall-Street-Anwalt stellt einen neuen Kopisten in seiner Kanzlei ein. Bartleby kümmert sich zunächst fleißg, gewissenhaft und ausdauernd um die ihm aufgetragenen Aufgaben. Doch schon nach kurzer Zeit beginnt er einzelne Arbeitsaufträge mit den Worten "Ich würde vorziehen, es lieber nicht zu tun" zu verweigern. Nach und nach weitet er die Verweigerung selbst auf die geringsten Tätigkeiten aus, bis er schließlich in Untätigkeit an seinem Schreibtisch verharrt. Bartleby verlässt nicht mal mehr die Kanzlei und auch alle Versuche ihn wieder los zu werden scheitern. Dies liegt aber auch an einer wachsenden Faszination des Anwalts für das anarchistische Verhalten seines sonderbaren Kopisten, das er zu ergründen sucht und dabei fast den Verstand zu verlieren droht. Die einzige Möglichkeit für ihn dem "Bann" Bartlebys zu entkommen, ist selbst die Kanzlei zu verlassen und sich neue Geschäftsräume zu suchen. Der Nachmieter lässt Bartleby von der Polizei abführen. Er wird in das Gefängnis "The Tombs" gebracht, wo ihn der Anwalt nochmals besucht. Er fühlt sich unerklärlicherweise verantwortlich für seinen ehemaligen Schreiber und will ihm helfen. Doch Bartlebys Zustand kommt immer mehr einer umfassenden Lebensverweigerung gleich. Er stellt jede Art der Interaktion mit seinen Mitmenschen ein und hört auf zu essen. Nach wenigen Tagen ist er tot. Der Film ist in einer an Buster Keaton orientierten Stummfilmästhetik gestaltet. In das Kammerspiel im Sprechtheater-Duktus werden immer wieder surrealistische Albtraumsequenzen und Tableaux vivants ebenso wie dadaistische Doku-Collagen aus historischen Bild- und Textzitaten eingeschoben. Das reduzierte Bühnenbild nimmt auf Bühnenräume Karl Valentins, Becketts und von Triers "Dogville" Bezug. Melvilles Textvorlage weist in seiner Absurdität auf Kafka und Beckett voraus. Ohne den Stoff zu aktualisieren, zeigt die Literaturverfilmung die Aktualität des Melville'schen Textes und stellt die Frage nach der Menschlichkeit oder vielmehr dem Mensch-Sein im Zeitalter der Globalisierung.