Anfang des 20. Jahrhunderts wird in Sevilla der große Torero Antonio Villalta frenetisch gefeiert. Doch eines Tages wird er beim Stierkampf so stark verletzt, dass er fortan querschnittsgelähmt ist. Damit nicht genug stirbt kurz darauf auch noch seine geliebte Frau bei der Geburt der Tochter Carmen. Da sich Antonio nicht um die Tochter kümmern kann, gibt er sie zur Großmutter. Als auch die ein paar Jahre später stirbt, kehrt Carmen zu ihrem Vater zurück. Der allerdings ist inzwischen mit der biestigen Krankenschwester Encarna verheiratet, die nur an seinem Geld interessiert ist. So hat die junge Carmen fortan unter dem Joch der fiesen Stiefmutter zu leiden und kann als Erwachsene nicht verhindern, dass diese ihren Vater ermordet. Carmen sucht ihr Heil in der Flucht und landet bei einem Trupp kleinwüchsiger fahrender Künstler. Die wiederum entdecken bald Carmens Talent für den Stierkampf ...

Den mutigen Schritt, den Michel Hazanavicius mit seinem Hauptdarsteller Jean Dujardin mit "The Artist" gingen, hat bewiesen, dass Kunstkino, insbesondere der Stummfilm, auch heute noch funktionieren kann. So wundert es nicht, dass nun ein weiteres stummes Werk in die Kinos kommt. Der spanische Regisseur Pablo Berger erzählt hier in berauschenden Schwarzweiß-Bildern das Märchen vom armen Schneewittchen als moderne Stierkämpfer-Variante. Tolle Bilder, starke Darsteller und eine immer noch zu Herzen gehende Geschichte funktionieren auch heute noch hervorragend. Interessant: der Film konkurrierte um den spanischen Goya mit Fernando Truebas kunstvollem Schwarzweißfilm "Das Mädchen und der Künstler". Während Trueba trotz 13 Nominierungen leer ausging, bekam Bergers Stummfilmmärchen gleich zehn der begehrten Trophäen.



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