Zwischen einer Erschießungsszene im spanischen Toledo nach dem Einmarsch der napoleonischen Truppen und schießenden Polizisten in einem Zoo zeigen sich kleine Episoden von zufälligen Begegnungen: Ein Dragonerleutnant küsst in einer Kirche die Statue einer Frau, worauf er von der benachbarten Statue, einem Ritter in Rüstung, eins übergebraten bekommt. Im doppelten Sinne verletzt ordnet der Offizier an, die Dame, die von der Statue verkörpert wird, zu exhumieren und sie in sein Bett zu legen. Diese Geschichte liest ein Kindermädchen im Park, während das zu beaufsichtigende Kind von einem fremden Mann angesprochen wird, der ihm einen Stapel Postkarten schenkt. Stolz präsentiert das Mädchen die Postkarten den Eltern, die entsetzt sind: Die Karten zeigen berühmte Sehenswürdigkeiten in Paris! Der Spinnen sammelnde Vater hat in der Nacht merkwürdige Träume, weswegen er am anderen Morgen zum Arzt geht. Die Arztgehilfin begibt sich zu ihrem kranken Vater aufs Land, muss wegen schlechten Wetters in einem Gasthof einkehren, wo Mönche Poker spielen, ein junger Mann seine alte Tante umzubringen versucht und ein Hutmacher sich masochistischen Spielchen hingibt. Ein Ausbilder der Gendarmerie hat keinerlei Autorität; ein "Dichter-Mörder" zielt von der Tour Montparnasse auf seine Opfer; ein Polizeipräfekt wird verhaftet ...

Und wieder einmal übt der spanische Regisseur Luis Buñuel rüde Kritik am Bürgertum: In fast zusammenhanglosen, aber trotzdem ineinander verschachtelten Episoden zeigt Buñuel eine Gesellschaft, in der die Freiheit als Chimäre umherwandelt. Ein surrealistisch-versponnenes, aber durchaus witziges Werk. Die Figuren tauchen nur ein paar Minuten lang auf und verschwinden immer dann von der Leinwand, wenn sich gerade eine Intrige oder ein Suspense abzeichnet. Die einzelnen Geschichten enden im Nonsens oder mit einem schlechten Scherz. Luis Buñuel und sein Ko-Autor Jean-Claude Carrière machen sich einen Spaß daraus, den Zuschauer in die Irre (d. h. auch ins Irrationale!) zu führen. Buñuel, Spaßvogel und Surrealist, mokiert sich mit seinen implodierenden Geschichtchen über unsere Sehgewohnheiten und einen starren, rationalistischen Kulturbegriff. Surrealismen statt Symbolik.

Foto: Kinowelt