Seit Mai 2013 wird in München der Prozess um Beate Zschäpe verhandelt, bei dem sie der Mittäterschaft an den Anschlägen des Nationalsozialistischen Untergrundgrunds (NSU) beschuldigt wird. Gegenstand des Prozesses ist auch das Nagelbomben-Attentat in der Kölner Keupstraße vom 9. Juni 2004. Auf dieses wirft Regisseur Andreas Maus einen genaueren Blick.

Falsche Fährten

Dass dieses tragische Ereignis neun Jahre später als Delikt des NSU-Terrors verhandelt werden würde, dachte man kurz nach den eigentlichen Geschehnissen noch nicht. Viel eher konzentrierte man sich auf den Friseur Özcan Yildirim, vor dessen Geschäft die Bombe explodierte. Man beschuldigte ihn, Verbindungen zur Mafia zu unterhalten, sodass er selbst ein Motiv für den Anschlag hätte. Da sich der Ort des Verbrechens mitten in einer türkischen Gemeinde in Köln befand, machte man automatisch die Bewohner der gesamten Straße verdächtig. Sieben Jahre lang wurde in diese Richtung ermittelt, ehe man die tatsächlichen Hintergründe aufdeckte.

Vor dem Spiegel

Aus den Akten, die während dieser Zeit entstanden, fertigte Andreas Maus das Porträt eines Viertels an. Auf der Grundlage unzähliger Protokolle stellt er die Untersuchungen der Polizei detailgetreu nach und geht dabei auf das Schicksal derer ein, die eigentlich Opfer waren, aber zu Tätern gemacht wurden. Auf diese Weise entsteht ein eindringliches Abbild, das zum Debattieren über den NSU und die Ermittlungen, wie sie nicht nur in Köln geführt wurden, anregt.

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