In einer französischen Kleinstadt tauchen plötzlich mysteriöse Briefe auf. Auch Dr. Germain wird Opfer der anonymen Verleumdungen. Als einer seiner Patienten Selbstmord begeht, nehmen die Verdächtigungen ihren Lauf ...

Regisseur Henri-Georges Clouzet inszenierte diesen verwirrenden wie zynisch-sarkastischen Thriller, der auch heute noch als kontrovers diskutierter Meilenstein der französischen Filmgeschichte gilt. Während der Besetzung Frankreichs durch die Deutschen entstanden (die unter deutscher Kontrolle stehende Continental Films produzierte), diente eine wahre Geschichte aus dem Jahr 1922 als Vorlage für dieses Verwirrspiel. Nur drei Wochen nach der Premiere wurde "Der Rabe" jedoch aus den französischen Kinos verbannt, da die Deutschen dem Film unterstellten, er kommentiere versteckt die Besetzung Frankreichs und die seinerzeit übliche Praxis der Denunziation. Doch auch die Franzosen und insbesondere die Résistance verurteilte Clouzets Regiearbeit, da man ihn als Kollaborateur ansah und ihm vorwarf, die Darstellung der Franzosen sei antifranzösische Propaganda. Gegen Clouzet erging nach der Befreiung Frankreichs ein lebenslanges Berufsverbot, das erst 1947 aufgehoben wurde. Die beiden Hauptdarsteller Pierre Fresnay und Ginette Leclerc waren sogar zeitweise inhaftiert.

Foto: StudioCanal