1961 gründete der Deutsche Paul Schäfer 400 Kilometer südlich der chilenischen Hauptstadt Santiago de Chile die festungsartig ausgebaute deutsche Kolonie "Colonia Dignidad". Zuvor war er aus Deutschland geflohen, wo wegen des Verdachts des sexuellen Missbrauchs gegen ihn ermittelt wurde. Bereits 1966 flüchteten zwei Deutsche aus der Kolonie, berichteten von Zwangsarbeit und Kindesmissbrauch. Doch niemand glaubte ihnen. Erst 30 Jahre später musste der 81-jährige Sektenführer Schäfer untertauchen und wurde schließlich 2004 in Abwesenheit des sexuellen Missbrauchs von 27 Kindern für schuldig befunden. Doch erst im März 2005 wurde Schäfer in Argentinien gefasst und nach Chile abgeschoben, wo er 2006 zu 20 Jahren Haft verurteilt wurde.

Das Regieduo Martin Farkas und Matthias Zuber hat mit ehemaligen Mitgliedern der "Colonia Dignidad" gesprochen. Rüdiger etwa war noch ein Kind, Aki zwei Monate alt und Kurt der Stellvertreter des pädophilen Sektenchefs. Sie kamen 1961 gemeinsam mit 500 anderen deutschen Sektenmitgliedern nach Chile und lebten über 40 Jahre weggeschlossen von der Welt. Sie hörten typisch deutsche Geschichten von Verdrängung, Sehnsucht, romantischem Schwärmen und Verzweiflung. "Deutsche Seelen" zeigt konfliktreiche wie persönliche Geschichten, die jedoch weit über das Persönliche hinaus etwas über die Funktions- und Wirkungsweisen totalitärer Systeme und deren Folgen für den Einzelnen sichtbar machen.



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