Der Mann mit dem kahlrasierten Schädel schreckt hoch, befreit sich aus der dünnen Armeedecke, in die er sich eingewickelt hatte. Er ist fast nackt. Er hat einen kräftigen Körper, aber er ist viel magerer als früher. Er fröstelt. Mit schwerfälligen Bewegungen kleidet er sich an. Der Mann ist 52 Jahre alt. Er befindet sich in einer fensterlosen Zelle. Außer einer eisernen Pritsche, einem Blecheimer für die Notdurft, einem wackligen kleinen Holztisch und einem dazu nicht passenden Stuhl ist die Zelle leer. Der Mann schlüpft in einen dunklen Anzug mit Nadelstreifen und einem breiten Revers. Er ist bereit. Draußen vor der Zelle hört man Schritte. Militärstiefel. Die schwere Tür wird aufgeschlossen. Ein junger Rotarmist, Gewehr über der Schulter, holt den Mann ab, begleitet ihn durch einen langen lichtlosen Korridor. Sie erreichen einen kärglich eingerichteten Raum, vielleicht ein ehemaliges Schulzimmer oder der Besprechungsraum einer Kaserne, wo sie bereits erwartet werden. Am Fenster steht ein großer schlanker Mann von Mitte dreißig. Er trägt die Uniform eines Leutnants der Roten Armee. Mit militärischer Knappheit wendet er sich dem Wachsoldaten und dem Gefangenen zu. Das Verhör beginnt. Der Gefangene heißt Heinrich George und ist einer der berühmtesten Schauspieler Deutschlands. Seit Juni 1945 befindet er sich in sowjetischer Internierungshaft. Ein junger Leutnant der Roten Armee konfrontiert ihn mit seiner Rolle im Dritten Reich.

Fiktion und historische Wahrheit überschneiden sich in diesem dokumentarischen Drama rund um den Kriegsgefangenen Heinrich George, der im ehemaligen KZ Sachsenhausen seine Haft verbüßt. Nach über einem Jahr stirbt George, der nach einem Blinddarmdurchbruch von einem Schüler Dr. Sauerbruchs zu Tode operiert wurde. Was sich davor im Dialog mit dem Rotarmisten entwickelt hat (oder entwickelt haben könnte), zeigt diese deutsch-polnische Produktion auf beeindruckende Weise.