Francis Bacon (1909–1992) war einer der einflussreichsten Maler des 20. Jahrhunderts. Die Werke des in Dublin geborenen Sohnes eines Pferdezüchters haben sich in ihrer Gewalttätigkeit und Rätselhaftigkeit im allgemeinen Bewusstsein eingeprägt. Über sein Leben ist allerdings wenig bekannt. Regisseur Low hat nicht nur umfangreiches Archivmaterial aufgespürt, sondern auch Menschen zu Interviews bewegen können, die über diese bislang verschwiegenen Punkte Auskunft geben: seine Schwester Ianthe Knott, eine Jugendfreundin, den Bruder seines Partners George Dyer und seinen letzten Partner John Edwards zum Beispiel.

Der 2005 für den Emmy-Award nominierte Dokumentarfilm von Adam Low spürt dem Bildexzess und Formwillen der Kunst Bacons nach. Bacons eindrucksvolle Präsenz und seine gebieterische sowie verführerische Stimme durchdringen den Film, der ein Werk zeigt, das von den Verbrechen und Erschütterungen des 20. Jahrhunderts geprägt ist wie kaum ein anderes, und darüber hinaus ein Leben voller Ausschweifungen und Geheimnisse. Liebhaber, Stierkämpfe, Tierkadaver, Bewegungsstudien und "Falling in Love again" von Marlene Dietrich: "Francis Bacon - Form und Exzess" findet in vielschichtigen Montagen und dem Soundtrack von Brian Eno kongeniale filmische Entsprechungen zu den Exzessen, Gespenstern und formalen Ambitionen eines Jahrhundertmalers.

Foto: Salzgeber