Am 10. Juli 1976 kommt es im norditalienischen Seveso zum größten Chemieunfall, den Europa bis heute erlebt hat. In der Fabrik Icmesa, die zum Basler Chemiekonzern Hoffmann-La Roche gehört, ereignet sich gegen Mittag eine Explosion. Aus einem Reaktor strömt in großen Mengen ein unheimliches Gift, es kommt zu einer für Menschen und Umwelt verheerenden Dioxinkatastrophe. Die Bevölkerung muss evakuiert werden, vor allem Kinder leiden an akuten Hautverätzungen, 77000 Tiere verenden oder müssen notgeschlachtet werden. Als Bauernopfer muss nach dem Unfall der junge Chemiker Jörg Sambeth herhalten. Er war damals der technische Direktor und wurde für die Umweltkatastrophe verantwortlich gemacht. Bei seinen Ermittlungen über die Ursachen und Hintergründe stieß er auf Fakten, die ihn entlasten und vor einer Gefängnisstrafe von fünf Jahren bewahren könnten, aber seinen Vorgesetzten schaden würden. Doch kann, soll oder darf er selbst etwas unternehmen?

Sabine Gisigers Dokumentarfilm ist ein spannendes Lehrstück über die Mechanismen der Macht in Großkonzernen, manipulierte Wahrheit im Umgang mit Katastrophen und fatale Abhängigkeiten. Eine zentrale Stellung nimmt in dem Film Jörg Sambeths rückblickende Schilderung der Ereignisse der Chemie-Katastrophe ein. Sambeths Lebensgeschichte, niedergeschrieben in dem Tatsachenroman "Zwischenfall in Seveso", ist untrennbar mit dem Fall verbunden. Er lieferte auch die Drehbuchvorlage.

Foto: RealFiction