In Indien gilt der Ganges als Gottheit und Heiligtum. Am Ufer des Ganges ist nichts profan. Jede Geste hat eine verborgene Bedeutung. Besonders in der heiligen Stadt Varanasi, das ursprüngliche Benares. Diese Großstadt, inmitten des nordindischen Ganges-Becken gelegen, droht wie fast alle indischen Städte im Verkehrsgewühl, Gestank und Dreck unterzugehen. An den Ghats aber, den vielen heiligen Steintreppen hinunter zum Fluss, entfaltet die uralte Stadt einen weltweit einmaligen Reiz. Denn Varanasi ist nicht nur eine der ältesten noch existierenden Städte der Welt, sondern auch einer der heiligsten Orte des Hinduismus. Alle gläubigen Hindus Indiens wollen in Benares sterben und auch hier am Ganges verbrannt werden. Die Hindus glauben, dass sie nur so direkt in den Himmel kommen. Die Sehnsucht ihrer todkranken Angehörigen nach den Verheißungen des ewigen Lebens führt auch vier indische Familien in die jahrhundertealte Stadt.

Regisseurin Gayle Ferraro zeigt in ihrem Dokumentarfilm diese religiösen Riten, wie sie sonst nur von den engsten Familienangehörigen erlebt werden. Gefilmt hauptsächlich im Umfeld eines Sterbehospiz an den Ghats von Varanasi, folgt Ferraro den oft mühsamen Versuchen der vier Familien, ihren todkranken Angehörigen den letzten irdischen Wunsch zu erfüllen: Nach dem Tod in den Himmel zu kommen. Der heilige Fluss Ganges wird aber zu Tode geliebt, denn als Öko-System ist er mehr denn je in Gefahr durch Jahre der übermäßigen Nutzung und Verschmutzung der Menschen an seinen Ufern. Ironischer Weise zeigt sich gerade auch an den Ufern von Varanasi, wie ernst die Lage für das Flusswasser und damit den gesamten Fluss inzwischen ist. Das Element welches dem Glauben nach als Pforte zum ewigen Leben fungiert, birgt in der irdischen Welt schon lange kaum noch Lebensgrundlage.

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