Eine Brieftaube fungiert als Botschafterin zwischen Ghost Dog und seinem Auftraggeber. Sie landet auf dem Dach des Hochhauses, wo der professionelle Killer in einer Bretterbude haust. Hier hat er alles was er braucht, seine Vögel, seinen kleinen japanischen Altar mit den Räucherstäbchen und seine Bibel "Das Hagakure: Der Weg des Samurai". Als ihn die örtliche Mafiasippe nach einem verpatzten Auftrag töten will, begibt sich der Großstadt-Krieger auf den Rachefeldzug. Aber an einem kommt er dabei nicht vorbei, an seinem Gefolgsmann Louie, der ihm einst das Leben rettete und dem er nun nach seinem Ehrenkodex unverbrüchliche Treue schuldet, egal was auch passieren sollte…

"Es gibt keine größere Einsamkeit als die des Samurai, es sei denn die des Tigers im Dschungel". Diesen legendären Satz stellte Jean-Pierre Melville seinem "Der eiskalte Engel" voran. Jim Jarmuschs Werk orientiert sich an dem Klassiker. Doch während man 1967 noch das ebenmäßige Gesicht Alain Delons über dem Trenchcoat sah, so zeigt sich der eiskalte Engel der Neunzigerjahre von anderer Art: Schwarz, korpulent, mit hängendem Augenlid und seine Kleidung ist die Sweet-Shirt-Kluft Amerikas - Forest Whitaker. Bei Melville waren es Kanarienvögel, die den Helden begleiteten. Jarmusch wählte urbanere Vögel: Tauben. Ihm gelang ein poetischer Film über Verbrechen und Einsamkeit, den er mit wunderbar skurrilen Momenten versehen hat. Ein echter Jarmusch eben. Doch seine besondere Note erhält das Werk durch die Zitate aus dem "Hagakure" - der Ehrenkodex der Samurai -, die wie eine filmische Meditation wirken.

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