Als die Reporterin Hannah Arendt 1961 im Auftrag der Zeitung "The New Yorker" in Jerusalem am Eichmann-Prozess teilnimmt, will sie dadurch die Seele eines Nazis verstehen lernen. Die anerkannte jüdische Philosophin und Schriftstellerin protokolliert akribisch den Prozessverlauf und verarbeitet ihre Erfahrungen und Gefühle während des Verfahrens in vielen Artikeln – der Auftakt für ihr berühmtestes und umstrittenes Werk "Eichmann in Jerusalem – Ein Bericht von der Banalität des Bösen". Hannah Arendt entlarvt Eichmann nicht als Monster, sondern als dienstbeflissenen Schreibtischtäter, der die Befehle mit der größtmöglichen Sorgfalt ausführen wollte. Doch für die Autorin hat die Sicht ungeahnte Konsequenzen: Freunde kündigen ihr die Freundschaft und sie erfährt bittere Ächtung und Ausgrenzung ...

Trotz einiger starker Momente und der Wichtigkeit, auch heute nochmals auf eine Person wie Hannah Arendt hinzuweisen, leidet der Film sowohl an Machart (sieht alles zu sehr nach Fernsehen aus, schlechte Maske, Anschlussfehler usw.) als auch an inhaltlichen Schwächen. Denn vor allem wenn die Geschichte die öffentlichen Momente verlässt und zu sehr ins Privatleben der Protagonistin eintaucht, wird er seltsam schwach, wirkt unausgegoren und oft unglaubwürdig und aufgesetzt. So fehlt das, was ein Spielfilm gegenüber einem Dokumentarfilm haben sollte: emotionale Greifbarkeit durch fiktionale Elemente. Klasse ist allerdings die schauspielerische Leistung von Barbara Sukowa in der Titelrolle, für die sie 2013 mit dem Bayerischen Filmpreis und dem Deutschen Filmpreis als beste Hauptdarstellerin ausgezeichnet wurde.



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