Laura ist jung, schön, dynamisch. Als Marketing-Chefin einer Spielzeugfirma ist sie angesehen und erfolgreich. Ordnung scheint zu ihren Lebensprinzipien zu gehören: Makellos wie ihr Aussehen ist ihr Ambiente. Im Büro liegt alles an seinem Platz, nur dass der Tresor voller Süßigkeiten ist, passt vielleicht nicht ins Bild. Die stopft sie sich nämlich dann schnell hinein, wenn sie die Sucht überfällt, vor einem Gespräch, während einer Sitzung. Dem "Genuss" folgt jedesmal die Reue: Auf der Toilette muss das Ganze rasch wieder heraus. Denn Laura leidet an Bulimie ...

Lange hatte sich die viel zu früh verstorbene Schauspielerin Dana Vávrová mit der Bulimie beschäftigt, bis sie es in ihrem Regiedebüt zu ihrem eigenen Anliegen machte. Mit Catherine Flemming fand sie eine Schauspielerin, die sich mit großem Feinempfinden und Kunstfertigkeit dieser belastenden Rolle annahm. Und dennoch kann man mit diesem Film nicht zufrieden sein. Natürlich ist es wichtig und richtig, dass ein Film sein Thema so angeht, dass der Zuschauer dranbleibt, doch wie effektvoll Kamera, Schnitt und Musik, den Gang zum Kühlschrank, die Fress- und Kotzorgien ausbadet, wie hier das klinische Bild zur effektvollen Horrorvision wird, das untergräbt die ehrliche Absicht immer wieder. Zu selten erfährt man demgegenüber etwas über Ursachen. Und wenn Nähe, Betroffenheit, Anteilnahme erzielt wird, dann allein durch das wunderbar verhalten distanzierte Spiel von Catherine Flemming. Ihre Blicke und Gesten der Hilflosigkeit, ihr lautloser Schrei erweckt beim Zuschauer gleichermaßen ein Gefühl von Abscheu und Sympathie. Unterstützt wird sie von dem vielseitigen Kai Wiesinger und der wunderbaren Christiane Hörbiger. Doch die Regie setzt zu sehr auf Äußerlichkeiten - vielleicht in der Sorge, nicht gehört zu werden.

Foto: Buena Vista