Dana Vávrová

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Dana Vávrová, hier in "Schlafes Bruder", starb im Alter von nur 41 Jahren an Krebs
Dana Vávrová
Geboren: 09.08.1967 in Prag, Tschechoslowakei
Gestorben: 05.02.2009 in München, Deutschland

Dana Vávrová war in der Tschechslowakei bereits ein gefragter Kinderstar - sie spielte in Filmen wie "Unsere Geister sollen leben" (1976) oder "Brontosaurus" (1979) - bevor sie ihre Filmkarriere in Deutschland begann. 1980 und 1985 war sie der Star in der TV-Serie "Ein Stück Himmel", inszeniert von Franz Peter Wirth. Für die Rolle der Janina erhielt sie die Goldene Kamera, den Goldenen Gong und den Adolf-Grimme-Preis. Bereits während dieser Dreharbeiten lernte Dana den Kameramann Joseph Vilsmaier kennen. Sie verliebten sich, bald darauf heirateten sie. Dana Vávrová brachte später drei Töchter zur Welt.

Als Anna Wimschneider, Bauersfrau und Dichterin in Joseph Vilsmaiers Film "Herbstmilch" (1988) wurde die Schauspielerin berühmt. Gemeinsam mit ihrem Partner, dem früh verstorbenen Schauspielertalent Werner Stocker, wurde sie mit dem Bayerischen Filmpreis, dem Deutschen Filmpreis in Gold und mit dem Chaplin-Schuh der Film- und Fernsehregisseure ausgezeichnet. Mit Stocker spielte sie auch in "Rama dama" (1990, Regie: Vilsmaier), einer im zerbombten Nachkriegsdeutschland spielenden Liebesgeschichte, und in Radu Gabreas "Rosen Emil" (1992) war sie die Lissy. Das Werk wurde nicht nur ein totaler Filmflop, sondern auch das traurige Ende des Traumpaars im deutschen Film: Werner Stocker starb kurz nach den Dreharbeiten; die Ära Vávrová/Stocker war zu Ende, bevor sie richtig bekannt wurde.

Nach einer kleineren Rolle in Vilsmaiers "Stalingrad" (1992) stand Dana Vávrová bei Jochen Richter in dem Fernsehfilm "Pizza Arrabiata" (1993) vor der Kamera. 1994 spielte sie in dem ZDF-TV-Movie "Sascha darf nicht sterben" von Marian Vajda, danach sah man sie bei Diethard Klante in "Die Nacht hat 17 Stunden" (1995), bei Peter Lehner spielte sie 1996 in "Die Beichte". Im Südwestfunk-Tatort "Nahkampf" stand sie als Mauren 1998 bei Thomas Bohn vor der Kamera. Dana Vávrová war - wieder unter Vilsmaier - die Geliebte des Musikgenies Elias (André Eisermann) in "Schlafes Bruder" (1995). Und schließlich drehte sie 1996 ihren ersten eigenen Film als Regisseurin: "Hunger - Sehnsucht nach Liebe".

Laura (Catherine Flemming) ist jung, schön, dynamisch. Als Marketing-Chefin einer Spielzeugfirma ist sie angesehen und erfolgreich. Ordnung scheint zu ihren Lebensprinzipien zu gehören: Makellos wie ihr Aussehen ist ihr Ambiente. Im Büro liegt alles an seinem Platz, nur daß der Tresor voller Süßigkeiten ist, passt vielleicht nicht ins Bild. Die stopft sie sich nämlich dann schnell hinein, wenn sie die Sucht überfällt, vor einem Gespräch, während einer Sitzung. Dem "Genuss" folgt jedesmal die Reue: Auf der Toilette muss das Ganze rasch wieder heraus. Denn Laura leidet an Bulimie. Außer den kurzen Fress- und Kotzattacken bleibt bei ihr alles im Gleichgewicht. Nur ab und zu tauchen in bösen Alptraumnächten Erinnerungen aus der Kindheit auf, wie die vom Unfalltod ihres Bruders.

Wenn die kühle blonde Laura dem witzig legeren Simon (Kai Wiesinger) begegnet, sieht alles so aus, als ob ihr Leben nun etwas Wärme bekäme. Der gutaussehende Graffiti-Künstler, der im Normalleben ein Juweliergeschäft betreibt, passt mit seinen gepflegten Manieren und den exzentrischen Ideen genau in ihre Welt. Simon liebt Laura und geht feinfühlig mit ihrem unsteten Verhalten um, kann jedoch mit einigen ihrer Reaktionen überhaupt nichts anfangen, vor allem wenn sie ihm immer wieder schroff begegnet. Ein Besuch in seinem Elternnhaus führt fast zur Katastrophe und zum Bruch. Doch nachdem Laura Simon ihre Liebe gestanden und ihm sehr drastisch ihre Krankheit vorgeführt hat, gibt es eine Chance für eine gemeinsame Zukunft.

Lange hatte sich Dana Vávrová mit der Bulimie beschäftigt, bis sie es zu ihrem eigenen Anliegen machte. Mit Catherine Flemming fand sie zudem eine Schauspielerin, die sich mit großem Feinempfinden und Kunstfertigkeit dieser belastenden Rolle annahm. Und dennoch kann man mit diesem Film nicht zufrieden sein. Natürlich ist es wichtig und richtig, dass ein Film sein Thema so angeht, dass der Zuschauer dranbleibt, doch wie effektvoll Kamera, Schnitt und Musik, den Gang zum Kühlschrank, die Fress- und Kotzorgien ausbadet, wie hier das klinische Bild zur effektvollen Horrorvision wird, das untergräbt die ehrliche Absicht immer wieder. Zu selten erfährt man demgegenüber etwas über Ursachen. Und wenn Nähe, Betroffenheit, Anteilnahme erzielt wird, dann allein durch das wunderbar verhalten distanzierte Spiel von Catherine Flemming. Ihre Blicke und Gesten der Hilflosigkeit, ihr lautloser Schrei erweckt beim Zuschauer gleichermaßen ein Gefühl von Abscheu und Sympathie. Unterstützt wird sie von dem vielseitigen Kai Wiesinger und der wunderbaren Christiane Hörbiger. Doch die Regie setzt zu sehr auf Äußerlichkeiten - vielleicht in der Sorge, nicht gehört zu werden.

Weitere Filme mit oder von Dana Vávrová: "Johann Sebastian Bach" (1985), "Beichtstuhl der Begierde" (1996), "Comedian Harmonists" (1997), "Der Bär ist los" (2000, nur Regie),"Tatort - Berliner Bärchen" (ebenfalls 2000), "Bergkristall" (2004), "Grenzverkehr" (2005), "Ein Hauptgewinn für Papa", "Der letzte Zug" (Regie, beide 2006), "Die Gustloff" (2008).

Foto: ZDF

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