Sommer 1969 in der DDR: In einem ehemaligen Gutsherrenhaus trifft die Dänin Julia auf den jungen Regieassistenten Hannes Schönemann, der eher zufällig an diesemn Ort ist. Es ist Liebe auf den ersten Blick, für beide. Aber wie eine Liebe leben über Mauern und Machtblöcke hinweg? Sie versuchen es und scheitern, versuchen es nach zehn Jahren noch einmal und scheitern wieder. Nach dem Fall der Mauer stirbt Julia im Sommer 1990 in Kopenhagen. Viele Jahre hatte sie einen verzweifelten Kampf geführt, sie hatte den geheimen Teil ihrer Biografie öffentlich gemacht, aber niemand hörte sie.

"Julias Wahn" ist der persönlichste Film des Dokumentarfilmers Hannes Schönemann, ehemals Regieassistent von Frank Beyer, und gleichzeitig ein Dokument europäischer Alltagsgeschichte in den Zeiten des Kalten Krieges. Schönemann, der in der DDR 1983 mit Berufsverbot belegt wurde und nach seinem Aussiedlungsantrag zu 14 Monaten Gefängnis verurteilt wurde, nimmt den Ariadnefaden auf, den Julia fallen ließ, als sie starb und folgt seinen Erinnerungen, folgt Julias verwirrenden Spuren, geht zurück in eine Zeit, die gerade erst vorbei ist und doch schon so weit zurück zu liegen scheint. Ein Film wider das Vergessen und für das zärtliche Bewahren eines Andenkens an einen Menschen, der zerstört wurde und sich selbst zerstörte in der Suche nach einer Heimat.