Wer kennt sie nicht, die verlassenen, winterlichen Strände, an denen sich im Sommer die Massen knubeln. So auch am Stadtstrand von Barcelona, der allerdings auch im Winter Schauplatz einer ungewohnten Zusammenkunft ist: Jeden Morgen treffen sich hier eine Reihe älterer Damen und Herren, die Wind, Wetter und Zeit trotzen. Da ist etwa der fast 90-jährige José, der jeden Morgen über den Strand joggt. Oder auch die gehbehinderte Paulina, die wie ein Delfin ihre Pirouetten in den eisigen Wellen dreht und dabei kubanische Boleros aus ihrer Jugend singt, während ihre Krücke am Ufer wartet. Dagegen sitzt der 80-jährige Antonio auf einem selbst gemauerten Thron auf der Mole und lässt seinen Blick über die See schweifen...

Die 1975 in Pinneberg geborene Kamerafrau und Dokumentarfilmerin Ines Thomsen erzählt in ihrem Kinodebüt die Geschichte einiger älterer Herrschaften aus der katalanischen Metropole, die ihrem schon fortgeschrittenem Alter trotzen und deren ganze Leidenschaft das Meer ist. Dies hat Thomsen in ruhigen Bildern eingefangen, sie bleibt mit der Kamera immer am Strand, auf Bilder der brodelnden Metropole, die besonders unter Feierwütigen ein gern gesehenes Ziel ist, wartet der Zuschauer hier vergeblich. Ein Film, der zeigt, das Altern auch in Würde und Anmut möglich ist. "Mañana al mar" wurde 2006 mit dem Max-Ophüls-Preis als bester Dokumentarfilm ausgezeichnet.

Foto: RealFiction